Die Charta für Holz 2.0 propagiert Klimaschutz durch mehr Nutzung von Holz – beispielsweise auch beim Bau von Häusern. Das Klima-Bündnis, ein europäisches Städtenetzwerk für den Klimaschutz, beurteilt die Charta allerdings kritisch: „Wälder dienen der Biodiversität.Wenn sie forstlich nicht genutzt werden, können aus ihnen die Urwälder von morgen entstehen“, heißt es in einem Kommentar zur Charta. Daher fordert das Klima-Bündnis, dass ein Teil der Wälder dauerhaft geschützt wird.

Besonders diejenigen Wälder, die ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden, seien bedeutende Kohlenstoffsenken. Sie dürften aber nicht auf diese Klimaschutzwirkung reduziert werden. „Ziel der Forstwirtschaft muss es sein, einen Teil dieser Wälder dauerhaft zu schützen – als Speicher und für die Artenvielfalt“, sagt Katrin Jurisch, Leiterin des SpeicherWald-Projekts vom Klima-Bündnis.

Kaskadennutzung ist das Beste

Die oft zitierte Formel „Holzverwendung ist Klimaschutz“ verkürze die Debatte um die Klimaschutzleistung von Wäldern. Denn die Nutzungsart und die Lebensdauer des Produktes seien entscheidende Kriterien. „Wenn Holz verwendet wird, so ist die beste Strategie für Klimaschutz und Biodiversität, das Holz möglichst lange im Verwendungskreislauf zu halten und es mehrfach im Sinne einer Kaskadennutzung zu verwenden. Aktuell wird aber die Steigerung des Holzverbrauchs für die Energiegewinnung, vor allem für die Pelletherstellung, propagiert. Anstatt Langlebigkeit, Effizienz und den sparsamen Umgang mit Materialien anzustreben, wird der hochwertige Grundstoff Holz einfach verbrannt“, sagt Jurisch.

Nur 1,9 Prozent Urwald

Bisher habe die Bundesregierung 21 Strategiepapiere zum Wald und seinen unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüchen veröffentlicht. „Was diesen Papieren und schließlich der Regierung selbst fehlt, ist Kohärenz. Die Nationale Biodiversitätsstrategie formuliert das Ziel, fünf Prozent der Waldfläche Deutschlands einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Weder in der Charta für Holz noch im Klimaschutzplan 2050 weist die Deutsche Bundesregierung darauf hin, wie dieses umgesetzt werden soll. Bis zu um Stichjahr 2013 wiesen lediglich 1,9 Prozent des Waldes in Deutschland eine natürliche Waldentwicklung im Sinne der Biodiversitätsstrategie auf“, teilt das Klima-Bündnis mit.

Douglasie und Tanne statt Fichte

Derweil erforscht die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, wie der deutsche Wald klimagerecht umgebaut werden könnte. Dem Klimawandel ist die Fichte, Deutschlands wichtigste Wirtschaftsbaumart, nämlich nicht gut gewachsen. Sowohl die einheimische Weißtanne als auch die aus Nordamerika eingeführte Douglasie könnten die Fichte auf lange Sicht ersetzen, haben Valentia Vitali und Jürgen Bauhus von der Uni Freiburg festgestellt.