Kleine Solarmodule für die private Stromerzeugung zu Hause dürfen jetzt direkt an eine normale Steckdose im Haushalt angeschlossen werden. Das ergibt sich aus einem gerade abgeschlossenes Normierungsverfahren.

Um die sogenannte Guerilla-Photovoltaik gibt es seit Längerem eine Sicherheitsdebatte. Bisher waren die Minianlagen einer Dachanlage mit viel höherer Leistung gleichgestellt. Sie durften offiziell nur an einem gesonderten Stromkreis und mit besonders gesicherten Industriesteckern betrieben werden.

Der Verband der Elektrotechnik (VDE) und die Deutsche Kommission Elektrotechnik (DKE) haben die Norm zusammen mit Interessengruppen in einem demokratischen Verfahren überarbeitet. Damit ist das Verfahren aber noch nicht zu Ende: Bis Februar kommenden Jahres wird eine weitere Norm die sicheren Steckvorrichtungen der Module beschreiben, informiert Alexander Nollau vom VDE. Ende 2018 dann wird es eine dritte Norm für die Anforderungen an die Module selbst geben und wie sie geprüft werden.

Dann ist der Weg endgültig frei für einen massenhaften Einsatz von kleinen Solarmodulen. Ein 300 Watt Modul kann immerhin zehn Prozent des Durchschnittsverbrauchs einer Familie erzeugen . „Mit dem Anschluss durch den Laien ist eine entscheidende Hürde für die Demokratisierung der Energiewende genommen“, sagt Marcus Vietzke von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenergie (DGS).

Die Module können nicht nur auf dem Balkon, sondern überall, wo Platz ist, aufgestellt werden. „Damit bekommen Millionen von Mietern die Chance, sauberen Strom zu erzeugen und selbst zu verbrauchen“, sagt Vietzke. Er schätzt, dass Balkonmodule in Deutschland ein Potenzial von ein bis zwei Gigawatt haben. „Das ersetzt die Energie aus einem durchschnittlichen Braunkohlekraftwerk mit hohem CO2-und Giftstoff Ausstoß“, sagt er. Zugleich könnten die Kosten für den Ausbau der Energienetze sinken.

Je nach Modell und Standort produzieren solche Module Strom ab vier Cent pro Kilowattstunde. Strom aus der Steckdose kostet zurzeit ca. 29 Cent. „Ich sage vorher, dass auch die Städter den Wunsch nach einer PV-Anlage haben, zumal der Leidensdruck aufgrund der schlechten Luftqualität noch höher ist“, sagt Vietzke.

Die DGS hat ein eigenes Projekt für die dezentrale Energiewende für jedermann gestartet. Bei dem Verband gibt es mit dem DGS SolarRebell eine Kleinst-PV-Anlage zur direkten Einspeisung in das Hausnetz vom Photovoltaik-Anbieter Minijoule. Auch Greenpeace Energie bietet Balkonmudule unter dem Markennamen „Simon“ an. Auch wenn das Nomverfahren noch nicht abgeschlossen ist, darf man sie bereits benutzen. Gibt es auf dem Balkon oder an anderen Standorten, wo das Modul angeschlossen wird, noch keine Steckdose zum Anschluss an das Hausnetz, muss diese aber von einem Fachmann installiert werden.

Foto: Marcus Vietzke von der DGS sowie Michael Friedrich und Jörn Bringewat von Bringewat von Greenpeace Energy freuen sich über die neue Norm. Quelle: Christoph Rasch / Greenpeace Energy