Die meisten Unternehmen betrachten die Entwicklung und Gestaltung eines Produkts über dessen Lebenszyklus getrennt voneinander. Das will das Projekt ResCoM ändern. Denn durch eine ganzheitlichen Vorgehensweise könnte man einen ökonomischen und ökologischen Mehrwert erzielen, meinen die Forscher der Bayreuther Projektgruppe Regenerative Produktion des Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.

Zusammen mit elf Partnern haben sie eine Online-Plattform entwickelt, die die vier Säulen der Produktentwicklung und Herstellung verknüpft: Die Lieferkette, das Geschäftsmodell, das Produktdesign und die dahinter stehenden IT-Systeme. Auf der Plattform bekommen Unternehmen Anreize, wie sie ihre Produkte nach der Nutzung wiederverwerten, umgestalten oder erneut anbieten können, teilen die Projektpartner mit.

Ihrer Erfahrung nach arbeitet der Großteil der Unternehmen mit einem linearen Produktionssystem: Der Produktlebenszyklus endet, sobald das Produkt defekt oder obsolet ist. Dabei ist es oft wirtschaftlicher und ökologisch nachhaltiger, die Produkte wiederzuverwerten oder aufzuarbeiten. Ziel des Ende Oktober auslaufenden EU-Projekts ResCoM (Resource Conservative Manufacturing) war es, Unternehmen zu einem in sich geschlossenen Produktlebenszyklus zu verhelfen. Nun kann die Online-Plattform von ResCoM kostenlos genutzt werden.

Wie man Produkte nachhaltiger nutzen könnte, beschreibt IPA-Projektleiter Christoph Velte an einem Beispiel: „Kinderwagen sind oft so robust, dass sie mindestens fünf Jahre halten. Allerdings benötigen die meisten Eltern ihr Modell nur ein bis zwei Jahre. Hier wäre es wirtschaftlicher, die Kinderwagen mit der Zeit umzurüsten oder Leasing-Verträge anzubieten. Voraussetzung ist aber, dass das Produktdesign und das Geschäftsmodell entsprechend ausgelegt sind.“

Das ResCoM-Konsortium aus Industrie und Forschung hat eine IT-Plattform mit mehreren Tools entwickelt, die dem Anwender Methoden für einen nachhaltigen Produktlebenszyklus aufzeigen. Damit kann er ermitteln, welche Strategien sich für ihn eignen. Auf Basis seiner Daten erhält er zahlreiche Vorschläge, wie er seine Produkte umgestalten, anders anbieten oder wiederverwerten kann. Diese können in daran anschließenden Tools weiterentwickelt werden.

Das Fraunhofer IPA hat die Ergebnisse der Online-Plattform im Rahmen von vier Fallstudien validiert. Getestet und umgesetzt wurden die Lösungen bei Herstellern von Kinderwagen, Automobilkomponenten, Unterhaltungselektronik und weißer Ware. Beim Kinderwagenhersteller Bugaboo gab es ein Pilotprojekt, bei dem Kunden ihr Modell leasen, anstatt es zu kaufen. Bezahlt wurde über eine monatliche Rate. Dieses Modell ermöglicht den Kunden, den Kinderwagen während der Laufzeit zu tauschen oder ihn mit zusätzlichen Komponenten auszustatten. „Mit dem Pilotprojekt konnten wir einige Herausforderungen von geschlossenen Produktkreisläufen identifizieren, ganz konkret beispielsweise die Transportkosten oder den Zustand der Kinderwägen nach der Nutzung“, erklärt Velte.

Bildquelle: ResCoM