Deutschland und die Schweiz setzen vermehrt auf die Rückgewinnung von Phosphaten aus Klärschlamm und tierischen Nebenprodukten. Welche Technologien dafür zur Verfügung stehen, beschreibt das Statuspapier „Phosphatrückgewinnung“, das die ProcessNet-Fachgruppe „Rohstoffe“ erarbeitet hat. ProcessNet ist die deutsche Plattform für Verfahrenstechnik im Chemieingenieurwesen und für technische Chemie.

Das Papier, an dem Experten aus Forschung und Industrie beteiligt waren, umreißt die Anforderungen an einen ganzheitlichen Ansatz. Er setze die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure vom Gesetzgeber über die Landwirte und die Abwasserwirtschaft bis zu den Forschern und Technologieentwicklern voraus, zeilt die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema) mit. Dabei gehe es sowohl um technologische Methoden, von denen derzeit nur wenige im industriellen Maßstab verfügbar sind, wie auch um Fragen der Wirtschaftlichkeit und der gesetzlichen Voraussetzungen.

Phosphat ist ein essentieller Rohstoff für die Landwirtschaft. Deutschland verfügt jedoch nicht über eigene Ressourcen. Nach dem Ausstieg Deutschlands aus der bodenbezogenen Klärschlammverwertung – also dem Ausbringen von Klärschlamm auf die Felder – ist die Rückgewinnung von Phosphor nicht nur ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung. Sowohl aus strategischen Gründen als auch wegen der Qualität der Phosphate sieht die Dechema die Rückgewinnung als sinnvoll an. Das gilt auch, obwohl der für 2030 angekündigte „Peak Phosphorous“, ab dem die Förderung abnehmen soll, Experten zufolge einer lagerstättenkundlichen Grundlage entbehrt. Es steht also wohl mehr Phosphor zur Verfügung, als bisher angenommen.

Für die Aufarbeitung von Klärschlamm gebe es bereits eine breite Palette an Technologien, urteilt die Dechema. Eine davon ist die hydrothermale Karbonisierung. Eine besonders effektive Anlage wurde kürzlich im vorpommerschen Relzow in Betrieb genommen. Doch um qualitativ hochwertige Dünger zu produzieren, müssen einerseits alle Verunreinigungen – neben Schwermetallen auch organische Spurenverbindungen – entfernt werden. Andererseits muss die Bioverfügbarkeit der Produkte gegeben sein. Das heißt, Pflanzen müssen in der Lage sein, die Verbindungen aufzunehmen und zu verwerten.

Zu den technischen Herausforderungen kommen gesetzliche Rahmenbedingungen. Während die gerade in Kraft getretene neue Klärschlammverordnung die technischen Aufbereitungswege weitgehend offenlässt, müssen die Produkte die Zulassung gemäß der Düngemittelverordnung durchlaufen, gibt die Fachgruppe Rohstoffe zu Bedenken.

Abbildung: Dechema