CO2 binden wie die Algen und das Klima retten

Viele Algen binden Kohlendioxid effizienter als Landpflanzen, indem sie das klimaschädliche Gas in einem sogenannten Mikrokompartiment, einer Struktur aus Proteinen, konzentrieren. Das wichtigste Protein in diesem Prozess ist Rubisco, das Kohlendioxid bindet. Bis vor kurzem war aber nicht bekannt, wie das Mikrokompartiment aufgebaut ist.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat nun herausgefunden, wie die als Pyrenoid bezeichnete Struktur beschaffen ist. Ein erster Durchbruch gelang dem Team von Martin Jonikas, Leiter der Arbeitsgruppen in Carnegie/Stanford und Princeton. Sie identifizierten ein Linkerprotein in der Grünalge Chlamydomonas, das Rubisco-Enzyme innerhalb des Pyrenoids aneinanderbindet. Ohne diesen molekularen Klebstoff kommt es nicht zur Entstehung des Pyrenoids.

Bisher war jedoch nicht bekannt, wie die Rubisco-Proteine in dem Pyrenoid organisiert sind. Lange dachten die Forscher, dass es sich dabei um einen Festkörperkristall handeln könnte. Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten Wissenschaftler um Benjamin Engel am Max-Planck-Institut für Biochemie in Planegg bei München die molekulare Organisation des Pyrenoids in Chlamydomonas-Zellen mittels Kryoelektronentomographie.

Mit Hilfe dieses hochauflösenden Bildgebungsverfahrens konnten Engel und seine Kollegen genau messen, an welchen Positionen in dem Pyrenoid sich die vielen Tausenden von Rubisco-Enzymen befinden. Sie stellten fest, dass das Pyrenoid keine kristalline Struktur hat: „Vergleicht man unsere Messungen mit der Organisation von Molekülen in Flüssigkeiten finden sich deutliche Ähnlichkeiten. Das deutet darauf hin, dass Pyrenoide in Wirklichkeit flüssigkeitsartige Strukturen sind“, erklärt Engel das Ergebnis.

Sie verhalten sich ähnlich wie Tropfen Essig in Öl, sind also von der Zellumgebung umspült, vermischen sich aber nicht. In Zukunft könnte man mit diesem Wissen Pflanzen so verändern, dass sie der Atmosphäre mehr Kohlendioxid entziehen und schneller wachsen.

In einem sehenswerten Musikvideo klären die Forscher über das große Potential der Pyrenoide auf.

Besser mit weniger Wachstum rechnen

Wachstum ist das große Ziel – auf internationalen Gipfeln, in den Wirtschaftswissenschaften, im Grundgesetz oder in den Wahlprogrammen nahezu aller Parteien. „Doch ein Wachstum, das den Menschen dient, lässt sich zunehmend schwieriger erreichen“, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Wie Industrienationen darauf reagieren sollten, hat das Institut in der Studie „Was tun, wenn das Wachstum schwindet“ beschrieben.

In allen Industrienationen habe sich das Wachstum in der Vergangenheit bereits erheblich reduzier, teilt das Institut mit. Zum Beispiel in Deutschland: Hier lag das jährliche Wachstum im Mittel der 1950er Jahre noch bei rund acht Prozent; es halbierte sich in den 1960ern und erreichte im Mittel der Jahre 2011 bis 2016 nur noch rund eineinhalb Prozent. Auch die ersten Schwellenländer folgen längst diesem Abwärtstrend.

Wachstumstreiber verlieren an Dynamik

Der amerikanische Harvard-Professor Lawrence Summers, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, spricht vor diesem Hintergrund von einer „säkularen Stagnation“ – von einer Wirtschaftsschwäche, die über einen sehr langen Zeitraum anhält. Denn die wichtigsten Wachstumstreiber der Vergangenheit verlieren an Dynamik: Das Bevölkerungswachstum klingt aus, die Gesellschaften altern und die Produktivität erhöht sich trotz digitaler Revolution immer langsamer.

Konjunkturpolitik kann nicht wirken

Außerdem nehmen die Konsummöglichkeiten der unteren Einkommensschichten wegen steigender sozialer Ungleichheit ab und ökologische Schäden wirken zunehmend bremsend auf die wirtschaftliche Entwicklung. „Politiker und Zentralbanken versuchen diese strukturell bedingte Wachstumsverlangsamung mit den klassischen Instrumenten der Konjunkturpolitik zu bekämpfen – mit staatlich geförderten Investitionsprogrammen oder niedrigen Zinsen“, erklärt Klingholz. „Konjunkturpolitik kann aber strukturelle Probleme gar nicht bekämpfen. In der Folge steigen lediglich die weltweiten Schulden.“

Das Problem dabei ist, dass sich Staat, Wirtschaft und Gesellschaft lange Zeit auf ein beständiges Wachstum eingerichtet haben. Klingholz: „In unserer heutigen Organisationsform ist der Staat auf Wirtschaftswachstum angewiesen, um seine Schulden bedienen zu können oder um leistungsfähige Sozialsysteme für eine alternde Gesellschaft zu erhalten.“

Demokratien vor einer Bewährungsprobe

Auch die Wirtschaft ist abhängig von Wachstum. Ohne Wachstum sinken die Gewinnaussichten, der Investitionsbedarf geht zurück und der technische Fortschritt verlangsamt sich. Dann drohen massive Jobverluste. Wachsende Arbeitslosigkeit und eine erlahmende Wirtschaft schließlich könnten das tiefe Vertrauen der Menschen untergraben, dass es ihnen von Generation zu Generation immer besser geht. Demokratien konnten sich einst unter Wachstumsbedingungen stabilisieren, weil es mehr an breite Bevölkerungskreise zu verteilen gab. Bei einer anhaltenden Stagnation stehen sie vor einer ungewohnten Bewährungsprobe.

Dass sich aus der Wachstumsschwäche zumindest eine „ökologische Dividende“ ergibt, weil weniger Güter auf den ersten Blick auch weniger Energie- und Rohstoffverbrauch bedeuten, sei laut Klingholz nicht sicher. Nur wenn Politik und Wirtschaft künftig das Wachstum auf jene Bereiche konzentrierten, die nachweislich zu einer Verbesserung der Umweltsituation beitragen, und gleichzeitig jene Unternehmen vom Markt verschwänden, die für große Umweltschäden verantwortlich sind, hätte die säkulare Stagnation unterm Strich einen ökologischen Nutzen.

Nationen brauchen einen Plan B

Bisher ist unklar, ob es sich bei dem erkennbaren Wachstumsrückgang tatsächlich um eine säkulare Stagnation handelt. Die betroffenen Länder sollten sich aber auf jeden Fall mit einem Plan B auf eine längerfristige Schwäche vorbereiten und ihre Systeme rechtzeitig von den heutigen Wachstumszwängen befreien, fordert das Berlin-Institut. Sie müssten Mittel und Wege für ein Wohlergehen ihrer Bevölkerung bei weniger oder in Abwesenheit von Wachstum finden.

Alle Stadtbusse in Augsburg fahren mit Biomethan aus Reststoffen

Verglichen mit dem Strom- und dem Wärmesektor besteht im Bereich Mobilität noch der größte Anteil fossiler Energie. Die Stadt Augsburg will daran etwas ändern und hat ihre gesamte Busflotte auf Biomethan umgestellt. Dafür hat die Agentur für Erneuerbare Energien die Stadt als herausragendes Leuchtturmprojekt und Energie-Kommune ausgezeichnet.

Bereits seit 1995 haben die Stadtwerke Augsburg ihre Busflotte auf Erdgas umgerüstet. Dieser Prozess war 2010 abgeschlossen. Seit 2011 betreibt die drittgrößte Stadt Bayerns ihre Busse mit Biomethan aus agrarischen Abfällen statt mit konventionellem Erdgas.

2016 wurden dann noch einmal 23 Busse beschafft, die dank eines neu entwickelten Motors im Vergleich zu den anderen Motortypen deutlich bessere Abgaswerte aufweisen. Damit auch die privaten Autos von den Erfahrungen und der Technik im Bereich Biomethan profitieren können, bieten die Stadtwerke diesen Energieträger an vier eigenen Erdgas-Tankstellen an.

„Die Biomethan-Busse unserer Stadtwerke helfen uns dabei, unsere lokalen Klimaschutzziele zu erreichen und leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung“, sagt Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl. „Der Ausstoß von CO2 und Stickoxiden ist deutlich geringer als bei herkömmlichen Antrieben und Feinstaub spielt fast gar keine Rolle“, so Gribl. „Und für das von uns verwendete Biomethan entfällt auch das Thema Flächenkonkurrenz, da es ausschließlich aus agrarischen Reststoffen hergestellt wird“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza.

Fotocredit: Mailtosap, Wikimedia

Klima-Bündnis bewertet Charta für Holz 2.0 kritisch

Die Charta für Holz 2.0 propagiert Klimaschutz durch mehr Nutzung von Holz – beispielsweise auch beim Bau von Häusern. Das Klima-Bündnis, ein europäisches Städtenetzwerk für den Klimaschutz, beurteilt die Charta allerdings kritisch: „Wälder dienen der Biodiversität.Wenn sie forstlich nicht genutzt werden, können aus ihnen die Urwälder von morgen entstehen“, heißt es in einem Kommentar zur Charta. Daher fordert das Klima-Bündnis, dass ein Teil der Wälder dauerhaft geschützt wird.

Besonders diejenigen Wälder, die ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden, seien bedeutende Kohlenstoffsenken. Sie dürften aber nicht auf diese Klimaschutzwirkung reduziert werden. „Ziel der Forstwirtschaft muss es sein, einen Teil dieser Wälder dauerhaft zu schützen – als Speicher und für die Artenvielfalt“, sagt Katrin Jurisch, Leiterin des SpeicherWald-Projekts vom Klima-Bündnis.

Kaskadennutzung ist das Beste

Die oft zitierte Formel „Holzverwendung ist Klimaschutz“ verkürze die Debatte um die Klimaschutzleistung von Wäldern. Denn die Nutzungsart und die Lebensdauer des Produktes seien entscheidende Kriterien. „Wenn Holz verwendet wird, so ist die beste Strategie für Klimaschutz und Biodiversität, das Holz möglichst lange im Verwendungskreislauf zu halten und es mehrfach im Sinne einer Kaskadennutzung zu verwenden. Aktuell wird aber die Steigerung des Holzverbrauchs für die Energiegewinnung, vor allem für die Pelletherstellung, propagiert. Anstatt Langlebigkeit, Effizienz und den sparsamen Umgang mit Materialien anzustreben, wird der hochwertige Grundstoff Holz einfach verbrannt“, sagt Jurisch.

Nur 1,9 Prozent Urwald

Bisher habe die Bundesregierung 21 Strategiepapiere zum Wald und seinen unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüchen veröffentlicht. „Was diesen Papieren und schließlich der Regierung selbst fehlt, ist Kohärenz. Die Nationale Biodiversitätsstrategie formuliert das Ziel, fünf Prozent der Waldfläche Deutschlands einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Weder in der Charta für Holz noch im Klimaschutzplan 2050 weist die Deutsche Bundesregierung darauf hin, wie dieses umgesetzt werden soll. Bis zu um Stichjahr 2013 wiesen lediglich 1,9 Prozent des Waldes in Deutschland eine natürliche Waldentwicklung im Sinne der Biodiversitätsstrategie auf“, teilt das Klima-Bündnis mit.

Douglasie und Tanne statt Fichte

Derweil erforscht die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, wie der deutsche Wald klimagerecht umgebaut werden könnte. Dem Klimawandel ist die Fichte, Deutschlands wichtigste Wirtschaftsbaumart, nämlich nicht gut gewachsen. Sowohl die einheimische Weißtanne als auch die aus Nordamerika eingeführte Douglasie könnten die Fichte auf lange Sicht ersetzen, haben Valentia Vitali und Jürgen Bauhus von der Uni Freiburg festgestellt.

Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohle bis 2030

Deutschland kann seine Klimaziele erreichen, wenn die Bundesregierung schnell den schrittweisen Ausstieg aus der Kohle einleitet. Dies zeigt eine neue Studie der Berliner Instituts Energy Brainpool im Auftrag von Greenpeace.

Kernbestandteil ist ein Fahrplan, der zeigt, welcher Kraftwerksblock in welchem Jahr abgeschaltet werden muss, um den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken, wie es die Bundesregierung zugesagt hat.

„Mit dem 40-Prozent-Ziel steht und fällt die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin im internationalen Klimaschutz“, sagt Greenpeace Klimaexperte Karsten Smid. „Nur wenn klimaschädliche Kohlemeiler gut geplant vom Netz gehen, wird das Klimaziel erreicht.“

Das 40-Prozent-Ziel der Bundesregierung gilt schon seit mehreren Jahren als unerreichbar. „Natürlich kann man immer ein Kohlekraftwerk abschalten“ , sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kürzlich dazu. Der Energiesektor und der Gebäudesektor hätten in  den vergangenen Jahren aber bereits beachtliche Leistungen erbracht. „Es wird Zeit, dass der Verkehrssektor und die Landwirtschaft folgen“ , sagte sie.

Inzwischen herrscht Konsens darüber, dass es nach der Bundestagswahl einen Prozess für einen Kohleausstieg in Deutschland geben wird. Die im Klimaschutzplan 2050 beschlossene Strukturwandelkommission soll sich damit beschäftigen.

Der Ausstieg aus der Kohle ist trotzdem keine abgemachte Sache – jedenfalls nicht international. Die Menschenrechts- und Umweltorganisation Urgewald hat in einer Studie zusammengestellt, wo überall in neue Kohlekraftwerke investiert wird. Pakistans Kohlekapazität etwa soll von 190 Megawatt auf 15.300 Megawatt ansteigen.

Produkte aus CO2: Rohstoffgipfel in der TU Berlin

Medikamente, Farben, Kunststoffe: unzählige chemische Produkte, die das moderne Leben prägen, basieren auf Kohlenstoff. Dieser stammt noch überwiegend aus fossilen Quellen wie Erdöl. Doch die Vorräte sind begrenzt, der Einsatz schadet dem Klima – eine Sackgasse.

Als nachhaltige Kohlenstoff-Quellen stehen Pflanzen und Kohlendioxid reichlich zur Verfügung. Wie werden daraus Innovationen? Welche Chancen liegen hier für den Standort Deutschland?

Auf dem Berliner Rohstoffgipfel am Dienstag, 20. Juni, von 10 – 13 Uhr im Lichthof der TU Berlin diskutieren Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Gründerszene über Alternativen zum Erdöl. Impulse dazu werden außerdem von einem Ideenwettbewerb mit Vertretern von Start-Ups erwartet.

Der Organisator Arno Zimmermann ist zusammen mit Marvin Kant auch Herausgeber eines Reports zum Forschungsstand der CO2-Nutzung als Rohstoff, die Akzeptanz der Öffentlichkeit sowie die wirtschaftliche Situation von Industrie und Start-ups.

Programm

10.15 Begrüßung

Prof. Dr. Christian Thomsen (Präsident, TU Berlin)

10.20 Impulsvortrag: „Die Chemie muss nachhaltiger werden“

Prof. Dr. Kurt Wagemann (Geschäftsführer, DECHEMA)

10.35 Wissenschaftsshow: „Die vielen Seiten des CO2“

10.45 Ideenwettbewerb: „Mehr Gründerspirit muss her“

Moderation: Arno Zimmermann. Mit Opus 12 Inc., Skytree, Carbon8 Systems, LXP Group, Fairwindel

11.35 Wissenschaftsshow: „Die Verwandlung der Pflanzen“

11.45 Podiumsdiskussion: „Alle müssen an einem Strang ziehen“

Moderation: Prof. Dr. Kurt Wagemann

Steffen Krach (Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters von Berlin)

Prof. Dr. Robert Schlögl (Direktor, Fritz-Haber-Institut)

Dr. Markus Steilemann (Vorstand Innovation, Covestro AG)

Sonja Jost (Geschäftsführerin, DexLeChem GmbH)

12.30 Zusammenfassung und Ausblick

Anschließend Get Together & Buffet

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

Prof. Dr. Christian Thomsen

ist Präsident der Technischen Universität Berlin. Er ist seit 1994 Hochschullehrer für experimentelle Festkörperphysik an der TU Berlin und Autor von über 500 Publikationen. Seit 2016 ist er zudem Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech).

Steffen Krach

ist seit 2014 Staatssekretär in Berlin. Bis 2016 war er Staatssekretär für Wissenschaft in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Seit dem 8. Dezember 2016 ist Krach Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Er leitete zuletzt die Bund-Länder-Koordination der SPD-Bundestagsfraktion. Von 2007 bis 2012 war er bereits in der Wissenschaftsverwaltung für die Verhandlung des Hochschulpakts und der Exzellenzinitiative zuständig.

Prof. Dr. Kurt Wagemann

ist Geschäftsführer der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. Die DECHEMA vertritt als gemeinnützige Fachgesellschaft mehr als 5.800 Mitglieder aus Industrie, Hochschulen und Forschungseinrichtungen und bündelt deren Expertise in einem interdisziplinären Netzwerk.

Prof. Dr. Robert Schlögl

ist Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und Honorarprofessor an der Humboldt Universität sowie der Technischen Universität in Berlin. Seit 2011 ist er zudem Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion.

Dr. Markus Steilemann

ist Vorstandsmitglied der Covestro AG und verantwortet als Chief Commercial Officer die Bereiche Innovation, Marketing und Vertrieb. Das Unternehmen entwickelt und produziert rund um den Globus chemiebasierte Werkstoffe für viele Schlüsselindustrien und Bereiche des täglichen Lebens.

Sonja Jost

ist Alumna der TU Berlin sowie Gründerin und Geschäftsführerin des Chemieunternehmens DexLeChem GmbH. Das Hightech-Unternehmen bietet der Pharma- und Duftstoffindustrie innovative Produktionsverbesserungen an, bei denen unverzichtbare teure Ressourcen reduziert und wiederverwertet werden.

Neue Werkzeuge für die Klimaarbeit von Climate Access

Mit seiner neu gestalteten Website will das Netzwerk Climate Access bessere Funktionen für die Klimakommunikation bieten. So gibt es jetzt eine neue Suchmöglichkeit nach Materialien zum Klimawandel. Sie lässt sich nach Typen wie Fallstudien, Tipps oder Sozialstudien oder strategisch nach  Nutzergruppen sortieren. Außerdem gibt es ein verbessertes Verzeichnis von Menschen aus dem Klimabereich.

„Ob Sie für eine bessere Klimapolitik arbeiten oder Programme für Dekarbonisierung entwickeln, wir haben die richtigen Werkzeuge für Sie“, wirbt Climate Access.

Klare Haltung im Umgang mit der Trump-Regierung

„Nach dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen muss die Diplomatie klug zwischen klaren Forderungen und weiterem Dialog mit den USA variieren, um den Klimaprozess voranzutreiben“, schreibt Susanne Dröge von der Stiftung Wissenschaft und Politik in einem jetzt veröffentlichten Aufsatz.

„Berlin und Peking hatten die USA beim Auftakt des Petersberger Klimadialogs aufgefordert, im Klimaschutzabkommen zu bleiben“, schreibt Dröge. Beim G7-Gipfel in Italien kurz darauf sei es dann zum offenen Konflikt gekommen: Die USA stimmten den klimapolitischen Zusagen in der Abschlusserklärung nicht zu. Schließlich hätten die EU und China nach Aufkündigung des Paris-Abkommen durch Trump deutlich gemacht, dass sie künftig in der Klima- und Energiepolitik noch enger kooperieren werden.

Allerdings verhinderten unterschiedliche Auffassungen über die Handelspolitik beim EU-China-Gipfel die Annahme einer Erklärung zum Klimaschutz. Ganz so einfach ist es also nicht auszuführen, was Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss in Erwartung des Gipfels formulierte: „Die EU und China müssen sich jetzt an die Spitze der Klimabewegung setzen und das Pariser Abkommen konsequent mit anderen fortschrittlichen Akteuren umsetzen. Dazu gehört der beschleunigte Ausbau Erneuerbarer Energien, wie er auch in US-Bundesstaaten wie Kalifornien oder Texas längst passiert, aber auch der mittelfristige Ausstieg aus der Kohle.“

Unabhängig von dem Weg, den die USA nun einschlagen, sollten die klimapolitischen Akteure aus aller Welt den Dialog mit dem Land weiterhin anstreben, meint Susanne Dröge: „Der Blick muss sich auf eine mögliche Neupositionierung der Vereinigten Staaten in vier Jahren richten.“ Der Ausstieg werde pünktlich zum Wahltag eines neuen US-Präsidenten 2020 rechtskräftig. „Angesichts der politischen Kosten, die die Obama-Regierung auf sich genommen hat ist es unwahrscheinlich, dass ein Nachfolger Trumps ohne weiteres wieder in das Abkommen eintreten kann“, warnt die Wissenschaftlerin.

Angesichts des bevorstehenden G20-Gipfels Anfang Juli empfiehlt sie, dass die Bundesregierung sich zügig um eine gemeinsame Linie mit wichtigen außenpolitischen Partnern wie Indien oder China im Umgang mit der jüngsten Isolierung der USA bemüht. Beim G20-Gipfel sollte es vermieden werden, die USA in die Enge zu treiben. Stattdessen sollte der Blick auf die längerfristige Zusammenarbeit mit den USA gerichtet sein. Auch für die wirtschaftlichen Vorteile des Klimaschutzes sollte weiterhin geworben werden, empfiehlt Dröge.

 

579 Kilometer mit nur einem Liter Benzin

Um den Anforderungen des Pariser Klimaschutzabkommens gerecht zu werden, muss der Verkehr in Deutschland seine Treibhausgasemissionen schnell und drastisch mindern. Das zeigt eine Analyse des Umweltbundesamtes. Eine der Forderungen: strenge rechtliche Vorgaben für mehr Effizienz bei Neufahrzeugen

Wie Effizienz geht, zeigt ein studentisches Team der Hochschule Karlsruhe. Es landete auf einem guten 19. Platz beim weltgrößten Energieeffizienzwettbewerb in London. Der Shell Eco-marathon wird jedes Jahr sowohl in Europa als auch in Singapur und Detroit ausgetragen. Wettbewerbsaufgabe ist die Entwicklung und Konstruktion eines Fahrzeugs, das mit einem Liter Kraftstoff die größtmögliche Entfernung zurücklegt.

Gestartet wird in zwei Kategorien, den „Prototypen“ mit nur wenigen konstruktiven Vorgaben und den „Urban-Concept“-Fahrzeugen, die für den öffentlichen Straßenverkehr geeignet sein müssen. Sowohl konventionelle Kraftstoffe als auch alternative Energiequellen sind für den Antrieb dieser Fahrzeuge zugelassen. Insgesamt waren 192 Teams aus 27 Ländern Europas und Afrikas am Start, darunter 15 aus Deutschland, vier aus Österreich und zwei aus der Schweiz.

Für die Hochschule Karlsruhe ging das Team „High Efficiency Karlsruhe“ mit 30 Studierenden aus den Studiengängen Maschinenbau und Effiziente Mobilität in der Fahrzeugtechnologie in der Kategorie „Prototypen“ mit Benzinantrieb an den Start. Am Ende der Rennwoche erreichten sie auf der anspruchsvollen Strecke den 19. Rang von 59 Teams, von denen es nur 37 überhaupt ins Ziel schafften. Mit nur einem Liter Benzin hatten die Karlsruher insgesamt 579,2 Kilometer zurückgelegt – das entspricht einem Verbrauch von 0,17 Litern auf 100 Kilometer.

Ob solche Ergebnisse helfen, den Verbrennungsmotor zu retten, sei dahingestellt. Die gesamten Kohlendioxid-Emissionen des Pkw-Verkehrs sind zwischen 1995 und 2014 nur um zwei Prozent gesunken, meldet das Umweltbundesamt. Laut Klimaschutzplan 2050 muss der Verkehrssektor bald mehr liefern: Bis 2030 soll er 40 bis 42 Prozent Emissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. Mit der stumpfen Forsetzung der individuellen Mobilität im Benzinauto wird das nicht zu machen sein.

Bildquelle: Dominik Störkle

Ressourcen der Städte in Afrika sichern

Strategien zur nachhaltigen Stadtentwicklung im Afrika südlich der Sahara will das Forschungsprojekt Risikoanalyse und Anpassungsstrategien für nachhaltige Ressourcenversorgung in Subsahara Städten (RARSUS) entwickeln. Es geht um die Versorgung der Städte mit Schlüsselressourcen wie Wasser, Energie und Lebensmitteln, die Anpassung an den Klimawandel und das rasante Bevölkerungswachstum.

„Um eine nachhaltige Stadtentwicklung in der Region zu gewährleisten, ist es wichtig zu verstehen, welche Elemente der städtischen Versorgungskette besonders gefährdet sind“, sagt RARSUS-Projektleiter und Verbundkoordinator Ramchandra Bhandari von der Technischen Hochschule Köln. „Dazu wird jetzt ein Pilotprojekt zur Erforschung bedeutender Versorgungssysteme in städtischen und halbstädtischen Gebieten Afrikas eingerichtet, in das alle relevanten Interessengruppen und Akteure aus Verwaltung, Industrie und Zivilgesellschaft einbezogen werden.“

Zum Projektende sollen Forschungsergebnisse zur effizienten Nutzung von Ressourcen in städtischen Gebieten und digitale Lehrmaterialien für erneuerbare Energien und Ressourcenmanagement vorliegen. Die Lehrmaterialien sollen Hochschulen weltweit zur Verfügung stehen. Die Projektpartner entwickeln außerdem ein Curriculum für einen Masterstudiengang „Energy and Climate Change“, der an der Abdou Moumouni University in Niamey (Niger) angeboten werden soll.

Im April sind zwei Studierende des Instituts für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen (ITT) der TH Köln nach Niger zu Feldforschungen für ihre Masterarbeiten gereist. Ein  Masterstudent des ITT wird in der Nähe der Hauptstadt Niamey drei Monate zum Thema „Dezentrales Energieversorgungssystem in einem kleinen Dorf“ forschen. Ein aus Bangladesch stammender ITT-Student forscht in Niamey für seine Masterarbeit zu „Energieplanentwicklung – Modellierung für die Energieversorgung in Niger“.

Prjektbeteiligte sind:

  • Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn
  • Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS) der United Nations University
  • Abdou Moumouni University of Niamey in Niger
  • Institute of Water and Energy Sciences (PAUWES) der Pan African University in Tlemcen in Algerien (PAU)
  • Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt als Projektträger
  • DAAD (Programmbetreuung der postgradualen Aus- und Fortbildung)