Küstenerosion trägt auch zum Klimawandel bei

Permafrostküsten machen etwa ein Drittel der gesamten Küstenlinie der Erde aus. Wegen des Klimawandels tauen jetzt weite Küstenabschnitte auf und erodieren in den Arktischen Ozean. Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht wurde, zeigt nun, dass entlang dieser erodierenden Permafrostküsten große Mengen an Kohlendioxid freigesetzt werden könnten.

„Bei Kohlenstoffbudgets und Klimasimulationen wurde die Küstenerosion bisher nicht berücksichtigt, obwohl sie eine erhebliche Quelle für Kohlendioxid sein könnte“, sagt George Tanski von der Vrije Universiteit Amsterdam, Hauptautor der Studie. „Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Erosion der Permafrostküsten zu einer raschen Freisetzung erheblicher Mengen an CO2 führen kann, welche mit verstärkter Erosion, zunehmenden Temperaturen, abnehmendem Meereis und stärkeren Stürmen an den Küsten der Arktis sich noch beschleunigen könnte.“

Die Untersuchungen hat Tanskis während Zeit am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und am Deutschen GeoForschungsZentrum vorgenommen. Koautoren arbeiten am Nunataryuk-Forschungsprojekts. Sein Ziel ist, das Auftauen des Permafrostes zu untersuchen, die Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften und andere Bevölkerungsgruppen zu verstehen und Strategien zur Eindämmung und Anpassung zu entwickeln.

Simulation der Erosionsfolgen im Labor

Für die neue Studie simulierten die Forscher die Folgen der Erosion in einem Laborexperiment. Um herauszufinden, wie viel Kohlenstoff an erodierenden arktischen Permafrostküsten in die Atmosphäre abgegeben wird, sammelten sie zunächst Permafrostproben auf Qikiqtaruk (auch bekannt als Herschel Island) und Meerwasser vor der Nordküste des Yukon im Nordwesten Kanadas. Sie mischten Permafrost- und Meerwasserproben und maßen dann die Treibhausgase, die im Laufe von vier Monaten, der durchschnittlichen Dauer der meereisfreien Saison in der Arktis, austraten.

Die Forschenden fanden heraus, dass CO2 beim Auftauen des Permafrostes im Meerwasser ebenso schnell freigesetzt wurde wie beim Auftauen des Permafrostes an Land. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass das Auftauen des Permafrostes an Land zu erheblichen Freisetzungen von Treibhausgasen führt. Diese neue Untersuchung zeigt nun, dass erodierende Permafrostküsten und küstennahe Gewässer ebenfalls eine potenziell beachtliche Quelle für CO2-Emissionen sind. Das stellt die Emissionsbudgets in Frage, die die Küstenzone bisher hauptsächlich als Durchgangspunkt für Kohlenstoff vom Land zum Meer ausgemacht hatten, wobei ein möglicher Kohlenstofftransport in die Atmosphäre vernachlässigt wurde.

Foto: George Tanski

Klimakonferenz: Die Pflicht ist getan – die Kür läuft

Mit dem Klimaschutz in der Welt geht es voran. Fast alle wollen mitmachen. Und der Blickwinkel hat sich gewandelt von „Hilfe, die Welt geht unter!“ zu „Wir retten die Welt und verdienen noch daran“. Denn der nötige Umbau der Wirtschaft bringt viele Geschäftsgelegenheiten. Dieser Stimmungsumschwung war bei der UN-Klimakonferenz in Bonn deutlich spürbar. Auch die Verhandlungen selbst sind gut vorangekommen.

Von Anfang an stand fest, dass diese Konferenz eine eher langweilige sein würde. Thema waren die Regeln für die Berichterstattung über den Ausstoß der Klimagase. Was daran so schwierig ist, ist der Öffentlichkeit kaum vermittelbar.

Ein Blick in die jetzt vorliegenden Textentwürfe zeigt, welchen Feinschliff die Klimadiplomaten noch vor sich haben, bis die Regeln 2018 bei der nächsten Klimakonferenz in Kattowitz beschlossen werden: Welches Basisjahr wird für die Berichterstattung zugrunde gelegt? Wie kann man ein System aufbauen, das die tatsächlichen Emissionen weder unter- noch überschätzt? Wie werden alle Emittenten und alle Senken erfasst?

Am Ende wird um Details gehen wie die Frage, wie viele Kühe es in einem Land gibt, was sie fressen und wie viel Methan bei der Verdauung entsteht. Bis auf diese Ebene herunter buchstabiert in Deutschland das sogenannte CO2-Inventar die Dinge aus.

Eine andere Erzählung

Um dieses Kleinklein mit einer anderen Erzählung zu überlagern, hat die Präsidentschaft von Fidschi klugerweise einen eigenen Raum für die vielen nicht-staatlichen Akteure geschaffen. Sie überholten die nationalen Regierungen rechts und links beim Engagement für den Klimaschutz.

„Bei der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen haben wir mit einer ganz kleinen Veranstaltung angefangen“, berichtete der frühere Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger. Seitdem ist das Selbstbewusstsein von Städten und Regionen gewachsen: „Die Regierungen unterhalb der nationalen Ebene kontrollieren 75 Prozent der Emissionen. Trump bedeutet gar nichts. Wir machen weiter mit all unseren Lösungen“, versprach Schwarzenegger.

Sogar hartnäckige Verweigerer beginnen jetzt umzuschwenken. So hat die Regierung von Indonesien eine Initiative für niedrige Kohlenstoffentwicklung bekannt gegeben. Was hinter dem schwammigen Begriff steht, muss sich erst zeigen. Aber noch 2016 hatte die Regierung den Bau von Kohlekraftwerken mit einer Leistung von 35 Gigawatt angekündigt. Nun teilt sie mit: „Wir können kein nachhaltiges Wachstum haben, ohne die Folgen des Klimawandels zu berücksichtigen.“

Auch die USA meldeten sich mit einer handzahmen Erklärung zu Wort. Trotz des beabsichtigten Austritts aus dem Abkommen von Paris würden die Vereinigten Staaten „ein Führer im Bereich von sauberen Energien bleiben und verstehen, dass die Energiesysteme transformiert werden müssen“, sagte Delegationsleiterin Judith Garber. Das muss mehr als ein Lippenbekenntnis sein, so konstruktiv, wie sich ihre Delegation verhielt.

Kohleausstiegsplan kommt erst 2018

Natürlich gibt es auch Rückschläge. Deutschland bekommt frühestens 2018 einen Kohleausstiegsplan. Polen arbeitet daran, schnell noch Subventionen für seine Kohlekraftwerke auf den Weg zu bringen, bevor neue EU-Regeln in Kraft treten. Und natürlich erschöpfen sich viele Initiativen bisher in Ankündigungen.

So will die Under2-Koalition, die 2015 von Baden-Württemberg und Kalifornien gegründet wurde, erst im September 2018, beim Gipfel des Gouverneurs von Kalifornien, bilanzieren, was ihre Mitglieder zum Klimaschutz beigetragen haben und noch beitragen werden. Aber das Engagement über staatliche Reglementierung hinaus wird vielfältig deutlich.

Was bisher beschlossen wurde, reicht zwar noch nicht, die Erderwärmung auf zwei oder gar 1,5 Grad zu begrenzen. Aber es gibt Fortschritte. Das zeigte ein neuer Bericht von Climate Action Tracker. Mit den darin eingerechneten Aktionsplänen der Regierungen weltweit sinkt die prognostizierte Erderwärmung von 3,6 auf bis zu 3,1 Grad im Jahr 2100.

Offenes und respektvolles Miteinander

Das ist ein guter Erfolg, wenn man bedenkt, dass ein „Weiter so“-Szenario auf fünf bis sechs Grad Erderwärmung hinauslaufen würde. Es zeigt aber auch, wie viel noch geschehen muss.

Dafür bereitete die Konferenz in Bonn den Talanoa-Dialog vor. Talanoa kommt aus dem Pazifik und bedeutet, offen und respektvoll miteinander zu sprechen. Jeder Teilnehmer bekommt Raum, seine eigene Geschichte zu erzählen.

„Keine Geschichten, die mit ,Es war einmal’ beginnen“, erklärt Lice Movono, die für die „Fiji Times“ arbeitet. „Sondern die Industrienationen können erzählen, warum es so schwierig ist, aus der Kohle auszusteigen. Und wir können erzählen, warum Klimaschutz für uns so dringlich ist“, sagt Movono. Bei der Klimakonferenz in Kattowitz soll auf dieser Basis eine Erhöhung der freiwilligen Emissionsminderungen aller Staaten auf den Weg kommen.

Die Emissionen aus der Landwirtschaft werden jetzt ebenfalls angepackt. Nach vielen vergeblichen Anläufen bekommt der Sektor ein eigenes Arbeitsprogramm.

Zuletzt stockten die Verhandlungen noch einmal. Die Entwicklungsländer forderten Planbarkeit für die Finanzzusagen aus den Industrieländern, um sich an den Klimawandel anzupassen – die Geberländer sehen sich daran durch Haushaltsrecht gehindert. In einer Nachtsitzung hat die Klimakonferenz die letzten Streitpunkte geklärt. Mit dem Thema wird sich im Mai die jährliche Vor-Konferenz zur Klimakonferenz befassen.

„Reiche Länder drücken sich vor Verantwortung“

Überraschend kam noch einmal das Thema der Ambitionen für die Zeit vor 2020 auf den Tisch. Je mehr bis dahin für den Klimaschutz getan wird, umso leichter wird es sein, die Klimaziele für 2050 zu schaffen. Die Entwicklungsländer erreichten, dass es 2018 und 2019 eine Bestandsaufnahme dazu gibt, was die Industrienationen leisten. „Das wird letztlich ergeben, dass sich die reichen Länder weitgehend vor ihrer Verantwortung drücken, sowohl hinsichtlich ihrer schwachen Klimaschutzziele als auch beim eher mäßigen Fortschritt bei der finanziellen Unterstützung der ärmeren Länder“, ist der Klimaexperte Jan Kowalzig von Oxfam pessimistisch.

Immerhin wird ein Fonds für die Unterstützung der armen Länder aus dem ersten Klimaabkommen von Kyoto in das von Paris umgezogen. Dieser Anpassungsfonds war zuletzt von der Bundesregierung mit 50 Millionen Euro aufgefüllt worden. Da das Kyoto-Protokoll 2020 ausläuft, war die Zukunft des Fonds zunächst ungeklärt.

Die Reaktionen zu den Beschlüssen vielen überwiegend positiv aus. Enttäuschend ist für Entwicklungsorganisationen, dass das Thema „Schaden und Verluste“ nicht vorangetrieben wurde. Dabei geht es um nicht wiedergutzumachende Schäden durch den Klimawandel. Während die armen Länder auf Hilfe angewiesen sind, fürchten die Industrieländer, für jeden Wirbelsturm haftbar gemacht zu werden. Positiv wurden die Beschlüsse zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im Gender Action Plan und die Bildung einer Plattform für die indigenen Völker gewertet. Sie sollen ihre Stimme über die Plattform besser in die Verhandlungen einbringen können.

Der Beitrag erschien zuerst auf Tagesspiegel.de.

CO2 binden wie die Algen und das Klima retten

Viele Algen binden Kohlendioxid effizienter als Landpflanzen, indem sie das klimaschädliche Gas in einem sogenannten Mikrokompartiment, einer Struktur aus Proteinen, konzentrieren. Das wichtigste Protein in diesem Prozess ist Rubisco, das Kohlendioxid bindet. Bis vor kurzem war aber nicht bekannt, wie das Mikrokompartiment aufgebaut ist.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat nun herausgefunden, wie die als Pyrenoid bezeichnete Struktur beschaffen ist. Ein erster Durchbruch gelang dem Team von Martin Jonikas, Leiter der Arbeitsgruppen in Carnegie/Stanford und Princeton. Sie identifizierten ein Linkerprotein in der Grünalge Chlamydomonas, das Rubisco-Enzyme innerhalb des Pyrenoids aneinanderbindet. Ohne diesen molekularen Klebstoff kommt es nicht zur Entstehung des Pyrenoids.

Bisher war jedoch nicht bekannt, wie die Rubisco-Proteine in dem Pyrenoid organisiert sind. Lange dachten die Forscher, dass es sich dabei um einen Festkörperkristall handeln könnte. Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten Wissenschaftler um Benjamin Engel am Max-Planck-Institut für Biochemie in Planegg bei München die molekulare Organisation des Pyrenoids in Chlamydomonas-Zellen mittels Kryoelektronentomographie.

Mit Hilfe dieses hochauflösenden Bildgebungsverfahrens konnten Engel und seine Kollegen genau messen, an welchen Positionen in dem Pyrenoid sich die vielen Tausenden von Rubisco-Enzymen befinden. Sie stellten fest, dass das Pyrenoid keine kristalline Struktur hat: „Vergleicht man unsere Messungen mit der Organisation von Molekülen in Flüssigkeiten finden sich deutliche Ähnlichkeiten. Das deutet darauf hin, dass Pyrenoide in Wirklichkeit flüssigkeitsartige Strukturen sind“, erklärt Engel das Ergebnis.

Sie verhalten sich ähnlich wie Tropfen Essig in Öl, sind also von der Zellumgebung umspült, vermischen sich aber nicht. In Zukunft könnte man mit diesem Wissen Pflanzen so verändern, dass sie der Atmosphäre mehr Kohlendioxid entziehen und schneller wachsen.

In einem sehenswerten Musikvideo klären die Forscher über das große Potential der Pyrenoide auf.

Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohle bis 2030

Deutschland kann seine Klimaziele erreichen, wenn die Bundesregierung schnell den schrittweisen Ausstieg aus der Kohle einleitet. Dies zeigt eine neue Studie der Berliner Instituts Energy Brainpool im Auftrag von Greenpeace.

Kernbestandteil ist ein Fahrplan, der zeigt, welcher Kraftwerksblock in welchem Jahr abgeschaltet werden muss, um den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken, wie es die Bundesregierung zugesagt hat.

„Mit dem 40-Prozent-Ziel steht und fällt die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin im internationalen Klimaschutz“, sagt Greenpeace Klimaexperte Karsten Smid. „Nur wenn klimaschädliche Kohlemeiler gut geplant vom Netz gehen, wird das Klimaziel erreicht.“

Das 40-Prozent-Ziel der Bundesregierung gilt schon seit mehreren Jahren als unerreichbar. „Natürlich kann man immer ein Kohlekraftwerk abschalten“ , sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kürzlich dazu. Der Energiesektor und der Gebäudesektor hätten in  den vergangenen Jahren aber bereits beachtliche Leistungen erbracht. „Es wird Zeit, dass der Verkehrssektor und die Landwirtschaft folgen“ , sagte sie.

Inzwischen herrscht Konsens darüber, dass es nach der Bundestagswahl einen Prozess für einen Kohleausstieg in Deutschland geben wird. Die im Klimaschutzplan 2050 beschlossene Strukturwandelkommission soll sich damit beschäftigen.

Der Ausstieg aus der Kohle ist trotzdem keine abgemachte Sache – jedenfalls nicht international. Die Menschenrechts- und Umweltorganisation Urgewald hat in einer Studie zusammengestellt, wo überall in neue Kohlekraftwerke investiert wird. Pakistans Kohlekapazität etwa soll von 190 Megawatt auf 15.300 Megawatt ansteigen.

Neue Werkzeuge für die Klimaarbeit von Climate Access

Mit seiner neu gestalteten Website will das Netzwerk Climate Access bessere Funktionen für die Klimakommunikation bieten. So gibt es jetzt eine neue Suchmöglichkeit nach Materialien zum Klimawandel. Sie lässt sich nach Typen wie Fallstudien, Tipps oder Sozialstudien oder strategisch nach  Nutzergruppen sortieren. Außerdem gibt es ein verbessertes Verzeichnis von Menschen aus dem Klimabereich.

„Ob Sie für eine bessere Klimapolitik arbeiten oder Programme für Dekarbonisierung entwickeln, wir haben die richtigen Werkzeuge für Sie“, wirbt Climate Access.

Klare Haltung im Umgang mit der Trump-Regierung

„Nach dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen muss die Diplomatie klug zwischen klaren Forderungen und weiterem Dialog mit den USA variieren, um den Klimaprozess voranzutreiben“, schreibt Susanne Dröge von der Stiftung Wissenschaft und Politik in einem jetzt veröffentlichten Aufsatz.

„Berlin und Peking hatten die USA beim Auftakt des Petersberger Klimadialogs aufgefordert, im Klimaschutzabkommen zu bleiben“, schreibt Dröge. Beim G7-Gipfel in Italien kurz darauf sei es dann zum offenen Konflikt gekommen: Die USA stimmten den klimapolitischen Zusagen in der Abschlusserklärung nicht zu. Schließlich hätten die EU und China nach Aufkündigung des Paris-Abkommen durch Trump deutlich gemacht, dass sie künftig in der Klima- und Energiepolitik noch enger kooperieren werden.

Allerdings verhinderten unterschiedliche Auffassungen über die Handelspolitik beim EU-China-Gipfel die Annahme einer Erklärung zum Klimaschutz. Ganz so einfach ist es also nicht auszuführen, was Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss in Erwartung des Gipfels formulierte: „Die EU und China müssen sich jetzt an die Spitze der Klimabewegung setzen und das Pariser Abkommen konsequent mit anderen fortschrittlichen Akteuren umsetzen. Dazu gehört der beschleunigte Ausbau Erneuerbarer Energien, wie er auch in US-Bundesstaaten wie Kalifornien oder Texas längst passiert, aber auch der mittelfristige Ausstieg aus der Kohle.“

Unabhängig von dem Weg, den die USA nun einschlagen, sollten die klimapolitischen Akteure aus aller Welt den Dialog mit dem Land weiterhin anstreben, meint Susanne Dröge: „Der Blick muss sich auf eine mögliche Neupositionierung der Vereinigten Staaten in vier Jahren richten.“ Der Ausstieg werde pünktlich zum Wahltag eines neuen US-Präsidenten 2020 rechtskräftig. „Angesichts der politischen Kosten, die die Obama-Regierung auf sich genommen hat ist es unwahrscheinlich, dass ein Nachfolger Trumps ohne weiteres wieder in das Abkommen eintreten kann“, warnt die Wissenschaftlerin.

Angesichts des bevorstehenden G20-Gipfels Anfang Juli empfiehlt sie, dass die Bundesregierung sich zügig um eine gemeinsame Linie mit wichtigen außenpolitischen Partnern wie Indien oder China im Umgang mit der jüngsten Isolierung der USA bemüht. Beim G20-Gipfel sollte es vermieden werden, die USA in die Enge zu treiben. Stattdessen sollte der Blick auf die längerfristige Zusammenarbeit mit den USA gerichtet sein. Auch für die wirtschaftlichen Vorteile des Klimaschutzes sollte weiterhin geworben werden, empfiehlt Dröge.

 

Klimaklage gegen RWE geht in die nächste Instanz

Den Termin für die Berufungsverhandlung des peruanischen Bergführers  Saúl Luciano Lliuya gegen RWE hat das Oberlandesgericht Hamm auf den 13. November und damit zeitgleich zur UN-Klimakonferenz in Bonn gelegt. Das teilt die Menschenrechts- und Umweltorganisation Germanwatch mit, die Saúl Luciano bei seiner Klage unterstützt.

Die Rechtsanwältin des Klägers, Roda Verheyen, zeigt sich erfreut über die Entscheidung des Obelad Hamm. „Ich bin zuversichtlich, dass der nun angesetzten ersten Verhandlung die Beweisaufnahme folgen wird – dann geht es endlich um die Beweiskette: Ist das Überflutungsrisiko eine Folge des globalen Klimawandels und damit auch eine Folge der Emissionen der Beklagten? Das werden wir belegen.“

Saúl Luciano Lliuya ergänzt: „Ich freue mich, dass wir damit eine zweite Chance erhalten, unser Anliegen vor Gericht darzulegen. Wir wollen zeigen, warum RWE mitverantwortlich ist für die Risiken, die uns hier in Huaraz bedrohen. Wissenschaftlichen Studien zufolge wächst der See oberhalb meiner Heimatstadt wegen der beschleunigten Gletscherschmelze immer weiter an – und diejenigen, die mit ihren Emissionen zum Problem beitragen, wollen nichts mit unserer Notlage zu tun haben? Man muss kein Jurist sein um zu erkennen, dass das Unrecht ist.“

„Das Verfahren ist ein Präzedenzfall. Saúl Luciano Lliuya möchte erreichen, dass RWE seinem Anteil an der Verursachung des Klimawandels entsprechend für Schutzmaßnahmen an einem Gletschersee oberhalb der Andenstadt Huaraz aufkommt. Dieses Verfahren hat große Bedeutung für viele weitere vom Klimawandel bedrohte Menschen weltweit“, sagt Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch.

Dem Teil der Stadt, in dem Luciano Lliuya und seine Familie wohnen, droht wegen der durch den Klimawandel beschleunigten Gletscherschmelze akute Flutgefahr. Ein Abbruch des schmelzenden Gletschers über dem vollen See könnte zu einer verheerenden Flutwelle führen, von der laut Studien bis zu 50.000 Menschen direkt betroffen wären. RWE lehnt die Forderung jedoch ab. Das Landesgericht Hamm hatte die Klage in erster Instanz abgelehnt.

Terrorismus und Klimawandel – eine fatale Beziehung

In der Studie „Insurgency, Terrorism and Organised Crime in a Warming World” hat Berliner Denkfabrik Adelphi den Zusammenhang von Klimarisiken und dem Aufstieg terroristischer Gruppen analysiert. Demnach verstärkt der Klimawandel bestehende Probleme und Risiken wie Ressourcenknappheit, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung, die Instabilität und gewaltsame Konflikte ohnehin begünstigen.

Die Autoren Lukas Rüttinger und Katharina Nett empfehlen, Klimaschutz, Entwicklungshilfe, Terrorbekämpfung und Konfliktlösung politisch nicht isoliert zu betrachten, sondern als Ganzes anzugehen, da sich sonst die einzelnen Faktoren leichter verschlimmern. Der Bericht erscheint kurz nachdem der UN-Sicherheitsrat am 31. März eine Resolution zur Region Tschadsee erlassen hat, in der Boko Haram aktiv ist und wo derzeit Millionen von Menschen von Dürre, Hunger und Krieg bedroht sind.

Einige Ergebnisse des Berichts:

  • Extremwetter und Ressourcenknappheit führen zu Konflikten und instabilen Regierungen, was terroristischen Gruppen zum Aufstieg verhilft
  • Der Klimawandel zerstört die Lebensgrundlagen von Menschen, die dadurch anfälliger für die Rekrutierung durch Terroristen werden, welche wirtschaftliche Anreize bieten und ein besseres Leben versprechen
  • Zusätzlich nutzen terroristische Gruppen oft Wasser- und Nahrungsknappheit aus, um Kontrolle über die Bevölkerung zu erhalten, die auf die Ressourcen angewiesen ist
  • Wo Staaten bei der Versorgung der Bevölkerung scheitern, versuchen mitunter terroristische Gruppen diese Lücke zu füllen und den Regierungen damit die Legitimation zu entziehen
  • In klimaempfindlichen Regionen wie Tschadsee, Guatemala, Syrien und Afghanistan gibt es nachweisbar einen Anstieg des Terrorismus.
    Auswirkungen des Klimawandels, Gewalt, Konflikte und Instabilität können in anfälligen Regionen einen Teufelskreis bilden
  • Klimaschutzmaßnahmen können die Bedrohung durch den Terrorismus reduzieren. Dazu zählt auch die Anpassung der lokalen Landwirtschaft an den Klimawandel

Der Bericht wurde vom Auswärtigen Amt in Auftrag finanziert und steht als Download auf der Website von Adelphi zur Verfügung.