Kohlenstoff im Amazonas ganz genau gemessen

Die Regenwälder der Erde binden große Mengen Kohlenstoff und sind damit eine entscheidende Kohlenstoffsenke. Aktuelle Schätzungen, wie viel Kohlenstoffdioxid in den tropischen Regenwäldern des Amazonasgebiets gebunden ist, gehen aber weit auseinander. Wissenschaftler*innen am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich die Biomasse in den Regenwäldern mithilfe von neuesten Satellitendaten sehr viel genauer als bisher abschätzen lässt. Damit lassen sich die Folgen von Dürren und Waldbränden für das Amazonasgebiet exakter beschreiben als zuvor, schreiben die Forschenden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Um die Biomasse in Wäldern zu schätzen, waren Wissenschaftler*innen bislang darauf angewiesen, für die aus Satellitendaten gewonnenen Angaben zur Waldhöhe statistische Verfahren einzusetzen. Die Ergebnisse waren aber oft umstritten, da die Schätzungen ungenau waren. Neuartige Satelliten mit Lasergeräten eröffnen der Forschung nun ganz andere Möglichkeiten: Sie vermessen nicht nur die Höhe der Wälder rund um den Globus, sondern auch die komplette Struktur dieser Wälder.

Das Modelliererteam um Andreas Huth vom UFZ verschnitt nun Messergebnisse eines Lasersatelliten mit dem am UFZ entwickelten Waldmodell FORMIND, das mit Klima- und Bodendaten das Wachstum von Einzelbäumen bis zu einer Auflösung von 20 Metern und die Dynamik von Wäldern simuliert. Mehr als 700.000 solcher Laserdaten wurden so für das Amazonas-Gebiet ausgewertet.

Das Ergebnis: Wichtige Parameter, die für die Beschreibung eines Waldgebiets entscheidend sind, können künftig viel präziser geschätzt werden. Dazu zählen beispielsweise die oberirdische Biomasse und das Wachstum des Waldes. „Insgesamt verringert sich die Unsicherheit der Schätzungen für die einzelnen Wald-Parameter zwischen 20 und 43 Prozent. Die Schätzung der oberirdischen Biomasse wird beispielsweise um 25 Prozent genauer“, sagt Andreas Huth, einer der Autoren der Studie. Damit lässt sich die Kohlenstoffspeicherung im Wald deutlich genauer als zuvor bestimmen.

„Wir können mit unserem Verfahren mehr über den Kreislauf des Kohlenstoffs herausfinden – wie viel im tropischen Regenwald gebunden ist, freigesetzt oder jedes Jahr neu gebunden wird“

Rico Fischer, Waldmodellierer

Mit dem neuen Verfahren wird das UFZ-Team eigene Vorstudien überarbeiten, in denen bisher nur die Waldhöhe einfloss, nicht aber die volle Information der Waldstruktur zur Biomassenschätzung. 2018 war es ihnen gelungen, für das Jahr 2005 die Biomasse für alle 410 Milliarden Bäume im Amazonas-Gebiet zu simulieren.

Insgesamt, so ein Resultat, waren demnach 76 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Amazonas Regenwald gebunden. „Wir konnten damit auch zeigen, welche Regionen des Amazonas-Gebiets Kohlenstoffsenken oder -quellen sind“, sagt Andreas Huth. Insgesamt sei der Regenwald mit einer Kohlenstoffbindung von rund 600 Millionen Tonnen pro Jahr noch eine Kohlenstoffsenke. Aber es gebe auch Kohlenstoffquellen, etwa wenn Bäume durch Trockenheit absterben oder durch Feuer vernichtet werden.

Grafik: Rödig et al.

Statuspapier zu Phosphatrückgewinnung erschienen

Deutschland und die Schweiz setzen vermehrt auf die Rückgewinnung von Phosphaten aus Klärschlamm und tierischen Nebenprodukten. Welche Technologien dafür zur Verfügung stehen, beschreibt das Statuspapier „Phosphatrückgewinnung“, das die ProcessNet-Fachgruppe „Rohstoffe“ erarbeitet hat. ProcessNet ist die deutsche Plattform für Verfahrenstechnik im Chemieingenieurwesen und für technische Chemie.

Das Papier, an dem Experten aus Forschung und Industrie beteiligt waren, umreißt die Anforderungen an einen ganzheitlichen Ansatz. Er setze die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure vom Gesetzgeber über die Landwirte und die Abwasserwirtschaft bis zu den Forschern und Technologieentwicklern voraus, zeilt die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema) mit. Dabei gehe es sowohl um technologische Methoden, von denen derzeit nur wenige im industriellen Maßstab verfügbar sind, wie auch um Fragen der Wirtschaftlichkeit und der gesetzlichen Voraussetzungen.

Phosphat ist ein essentieller Rohstoff für die Landwirtschaft. Deutschland verfügt jedoch nicht über eigene Ressourcen. Nach dem Ausstieg Deutschlands aus der bodenbezogenen Klärschlammverwertung – also dem Ausbringen von Klärschlamm auf die Felder – ist die Rückgewinnung von Phosphor nicht nur ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung. Sowohl aus strategischen Gründen als auch wegen der Qualität der Phosphate sieht die Dechema die Rückgewinnung als sinnvoll an. Das gilt auch, obwohl der für 2030 angekündigte „Peak Phosphorous“, ab dem die Förderung abnehmen soll, Experten zufolge einer lagerstättenkundlichen Grundlage entbehrt. Es steht also wohl mehr Phosphor zur Verfügung, als bisher angenommen.

Für die Aufarbeitung von Klärschlamm gebe es bereits eine breite Palette an Technologien, urteilt die Dechema. Eine davon ist die hydrothermale Karbonisierung. Eine besonders effektive Anlage wurde kürzlich im vorpommerschen Relzow in Betrieb genommen. Doch um qualitativ hochwertige Dünger zu produzieren, müssen einerseits alle Verunreinigungen – neben Schwermetallen auch organische Spurenverbindungen – entfernt werden. Andererseits muss die Bioverfügbarkeit der Produkte gegeben sein. Das heißt, Pflanzen müssen in der Lage sein, die Verbindungen aufzunehmen und zu verwerten.

Zu den technischen Herausforderungen kommen gesetzliche Rahmenbedingungen. Während die gerade in Kraft getretene neue Klärschlammverordnung die technischen Aufbereitungswege weitgehend offenlässt, müssen die Produkte die Zulassung gemäß der Düngemittelverordnung durchlaufen, gibt die Fachgruppe Rohstoffe zu Bedenken.

Abbildung: Dechema

„Rohstoffe müssen gerechter gewonnen werden“

Die deutsche Rohstoffpolitik muss grundsätzlich reformiert werden, wenn sie global gerecht und ökologisch tragbar werden soll. Das fordert ein Bündnis von Menschenrechts-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, die sich im Arbeitskreis Rohstoffe zusammengeschlossen haben. Anlässlich der dritten Alternativen Rohstoffwoche vom 16. bis 22. Oktober mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland formulieren die Organisationen Eckpunkte, die ihrer Ansicht nach in den neuen Koalitionsvertrag gehören.

„Als größter Importeur von Rohstoffen in der EU trägt Deutschland eine große Verantwortung für die sozialen und ökologischen Folgen des weltweiten Rohstoffabbaus“, sagt Michael Reckordt, Koordinator des Arbeitskreises (AK) Rohstoffe. „Beim Abbau von Rohstoffen kommt es häufig zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen, auf die wir mit der Alternativen Rohstoffwoche hinweisen.“

„Menschenrechte müssen einen höheren Stellenwert als Profite haben“, sagt Anna Backmann von der Christlichen Initiative Romero. „Daher müssen im künftigen Koalitionsvertrag das Ja zu verbindlichen Regeln für Unternehmen stehen, die Rohstoffe abbauen oder entlang der Lieferkette weiterverarbeiten“, so Backmann weiter.

„Die Senkung des Rohstoffverbrauchs muss für die neue Bundesregierung ein zentrales Ziel sein. Deshalb muss sie die Kreislaufwirtschaft zum Beispiel durch die längere Nutzung und Reparaturfähigkeit von Geräten stärken“, ergänzt Antonia Reichwein von Germanwatch.

„Außerdem muss der Tiefseebergbau grundsätzlich ausgeschlossen werden“, fordert Francisco Marí von Brot für die Welt. „Die Auswirkungen auf Umwelt und Menschen sind absolut unvorhersehbar und laufen dem Vorsorgeprinzip elementar zuwider. Die Bundesregierung muss sich hier den Forderungen der Zivilgesellschaft aus dem Pazifik anschließen und jegliche Förderung des Tiefseebergbaus einstellen.“

Der AK Rohstoffe ist ein Netzwerk deutscher Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte, soziale Standards und Umweltschutz einsetzen. Hierzu gehören Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen, wie Brot für die Welt, die Christliche Initiative Romero, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile / Lateinamerika, Forum Umwelt und Entwicklung, Germanwatch, das Ökumenische Netz Zentralafrika, PowerShift und Stiftung Asienhaus.

Seit 2008 tauscht sich der AK Rohstoffe regelmäßig aus und diskutiert angesichts der negativen Auswirkungen des Rohstoffabbaus über Ansätze einer zukunftsfähigen Rohstoffpolitik. Seit Mai 2013 gibt es ein Koordinationsbüro in Berlin.

Ziel der Alternativen Rohstoffwoche ist es, auf die Auswirkungen des Rohstoffabbaus hinzuweisen. Deutschland ist abhängig vom Import von metallischen, mineralischen und fossilen Rohstoffen. Abgebaut werden diese Rohstoffe vor allem in Schwellenländern und Ländern des Globalen Südens, häufig unter Verletzung von Menschenrechten und auf Kosten der Umwelt, teilt das Bündnis mit.

Die Bundesregierung berücksichtige diese Auswirkungen nicht ausreichend und richtet ihre Politik einseitig an den Interessen der Industrie für eine erhöhte Versorgungssicherheit aus. Aufgrund der globalen Herausforderungen brauche es eine andere, demokratische und global gerechte Rohstoffpolitik. Diese müsse folgende Ziele haben: Menschenrechte effektiv schützen, Rohstoffverbrauch senken, Zivilgesellschaft schützen und stärken.

Klima-Bündnis bewertet Charta für Holz 2.0 kritisch

Die Charta für Holz 2.0 propagiert Klimaschutz durch mehr Nutzung von Holz – beispielsweise auch beim Bau von Häusern. Das Klima-Bündnis, ein europäisches Städtenetzwerk für den Klimaschutz, beurteilt die Charta allerdings kritisch: „Wälder dienen der Biodiversität.Wenn sie forstlich nicht genutzt werden, können aus ihnen die Urwälder von morgen entstehen“, heißt es in einem Kommentar zur Charta. Daher fordert das Klima-Bündnis, dass ein Teil der Wälder dauerhaft geschützt wird.

Besonders diejenigen Wälder, die ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden, seien bedeutende Kohlenstoffsenken. Sie dürften aber nicht auf diese Klimaschutzwirkung reduziert werden. „Ziel der Forstwirtschaft muss es sein, einen Teil dieser Wälder dauerhaft zu schützen – als Speicher und für die Artenvielfalt“, sagt Katrin Jurisch, Leiterin des SpeicherWald-Projekts vom Klima-Bündnis.

Kaskadennutzung ist das Beste

Die oft zitierte Formel „Holzverwendung ist Klimaschutz“ verkürze die Debatte um die Klimaschutzleistung von Wäldern. Denn die Nutzungsart und die Lebensdauer des Produktes seien entscheidende Kriterien. „Wenn Holz verwendet wird, so ist die beste Strategie für Klimaschutz und Biodiversität, das Holz möglichst lange im Verwendungskreislauf zu halten und es mehrfach im Sinne einer Kaskadennutzung zu verwenden. Aktuell wird aber die Steigerung des Holzverbrauchs für die Energiegewinnung, vor allem für die Pelletherstellung, propagiert. Anstatt Langlebigkeit, Effizienz und den sparsamen Umgang mit Materialien anzustreben, wird der hochwertige Grundstoff Holz einfach verbrannt“, sagt Jurisch.

Nur 1,9 Prozent Urwald

Bisher habe die Bundesregierung 21 Strategiepapiere zum Wald und seinen unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüchen veröffentlicht. „Was diesen Papieren und schließlich der Regierung selbst fehlt, ist Kohärenz. Die Nationale Biodiversitätsstrategie formuliert das Ziel, fünf Prozent der Waldfläche Deutschlands einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Weder in der Charta für Holz noch im Klimaschutzplan 2050 weist die Deutsche Bundesregierung darauf hin, wie dieses umgesetzt werden soll. Bis zu um Stichjahr 2013 wiesen lediglich 1,9 Prozent des Waldes in Deutschland eine natürliche Waldentwicklung im Sinne der Biodiversitätsstrategie auf“, teilt das Klima-Bündnis mit.

Douglasie und Tanne statt Fichte

Derweil erforscht die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, wie der deutsche Wald klimagerecht umgebaut werden könnte. Dem Klimawandel ist die Fichte, Deutschlands wichtigste Wirtschaftsbaumart, nämlich nicht gut gewachsen. Sowohl die einheimische Weißtanne als auch die aus Nordamerika eingeführte Douglasie könnten die Fichte auf lange Sicht ersetzen, haben Valentia Vitali und Jürgen Bauhus von der Uni Freiburg festgestellt.

Produkte aus CO2: Rohstoffgipfel in der TU Berlin

Medikamente, Farben, Kunststoffe: unzählige chemische Produkte, die das moderne Leben prägen, basieren auf Kohlenstoff. Dieser stammt noch überwiegend aus fossilen Quellen wie Erdöl. Doch die Vorräte sind begrenzt, der Einsatz schadet dem Klima – eine Sackgasse.

Als nachhaltige Kohlenstoff-Quellen stehen Pflanzen und Kohlendioxid reichlich zur Verfügung. Wie werden daraus Innovationen? Welche Chancen liegen hier für den Standort Deutschland?

Auf dem Berliner Rohstoffgipfel am Dienstag, 20. Juni, von 10 – 13 Uhr im Lichthof der TU Berlin diskutieren Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Gründerszene über Alternativen zum Erdöl. Impulse dazu werden außerdem von einem Ideenwettbewerb mit Vertretern von Start-Ups erwartet.

Der Organisator Arno Zimmermann ist zusammen mit Marvin Kant auch Herausgeber eines Reports zum Forschungsstand der CO2-Nutzung als Rohstoff, die Akzeptanz der Öffentlichkeit sowie die wirtschaftliche Situation von Industrie und Start-ups.

Programm

10.15 Begrüßung

Prof. Dr. Christian Thomsen (Präsident, TU Berlin)

10.20 Impulsvortrag: „Die Chemie muss nachhaltiger werden“

Prof. Dr. Kurt Wagemann (Geschäftsführer, DECHEMA)

10.35 Wissenschaftsshow: „Die vielen Seiten des CO2“

10.45 Ideenwettbewerb: „Mehr Gründerspirit muss her“

Moderation: Arno Zimmermann. Mit Opus 12 Inc., Skytree, Carbon8 Systems, LXP Group, Fairwindel

11.35 Wissenschaftsshow: „Die Verwandlung der Pflanzen“

11.45 Podiumsdiskussion: „Alle müssen an einem Strang ziehen“

Moderation: Prof. Dr. Kurt Wagemann

Steffen Krach (Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters von Berlin)

Prof. Dr. Robert Schlögl (Direktor, Fritz-Haber-Institut)

Dr. Markus Steilemann (Vorstand Innovation, Covestro AG)

Sonja Jost (Geschäftsführerin, DexLeChem GmbH)

12.30 Zusammenfassung und Ausblick

Anschließend Get Together & Buffet

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

Prof. Dr. Christian Thomsen

ist Präsident der Technischen Universität Berlin. Er ist seit 1994 Hochschullehrer für experimentelle Festkörperphysik an der TU Berlin und Autor von über 500 Publikationen. Seit 2016 ist er zudem Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech).

Steffen Krach

ist seit 2014 Staatssekretär in Berlin. Bis 2016 war er Staatssekretär für Wissenschaft in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Seit dem 8. Dezember 2016 ist Krach Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Er leitete zuletzt die Bund-Länder-Koordination der SPD-Bundestagsfraktion. Von 2007 bis 2012 war er bereits in der Wissenschaftsverwaltung für die Verhandlung des Hochschulpakts und der Exzellenzinitiative zuständig.

Prof. Dr. Kurt Wagemann

ist Geschäftsführer der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. Die DECHEMA vertritt als gemeinnützige Fachgesellschaft mehr als 5.800 Mitglieder aus Industrie, Hochschulen und Forschungseinrichtungen und bündelt deren Expertise in einem interdisziplinären Netzwerk.

Prof. Dr. Robert Schlögl

ist Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und Honorarprofessor an der Humboldt Universität sowie der Technischen Universität in Berlin. Seit 2011 ist er zudem Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion.

Dr. Markus Steilemann

ist Vorstandsmitglied der Covestro AG und verantwortet als Chief Commercial Officer die Bereiche Innovation, Marketing und Vertrieb. Das Unternehmen entwickelt und produziert rund um den Globus chemiebasierte Werkstoffe für viele Schlüsselindustrien und Bereiche des täglichen Lebens.

Sonja Jost

ist Alumna der TU Berlin sowie Gründerin und Geschäftsführerin des Chemieunternehmens DexLeChem GmbH. Das Hightech-Unternehmen bietet der Pharma- und Duftstoffindustrie innovative Produktionsverbesserungen an, bei denen unverzichtbare teure Ressourcen reduziert und wiederverwertet werden.

Ressourcen der Städte in Afrika sichern

Strategien zur nachhaltigen Stadtentwicklung im Afrika südlich der Sahara will das Forschungsprojekt Risikoanalyse und Anpassungsstrategien für nachhaltige Ressourcenversorgung in Subsahara Städten (RARSUS) entwickeln. Es geht um die Versorgung der Städte mit Schlüsselressourcen wie Wasser, Energie und Lebensmitteln, die Anpassung an den Klimawandel und das rasante Bevölkerungswachstum.

„Um eine nachhaltige Stadtentwicklung in der Region zu gewährleisten, ist es wichtig zu verstehen, welche Elemente der städtischen Versorgungskette besonders gefährdet sind“, sagt RARSUS-Projektleiter und Verbundkoordinator Ramchandra Bhandari von der Technischen Hochschule Köln. „Dazu wird jetzt ein Pilotprojekt zur Erforschung bedeutender Versorgungssysteme in städtischen und halbstädtischen Gebieten Afrikas eingerichtet, in das alle relevanten Interessengruppen und Akteure aus Verwaltung, Industrie und Zivilgesellschaft einbezogen werden.“

Zum Projektende sollen Forschungsergebnisse zur effizienten Nutzung von Ressourcen in städtischen Gebieten und digitale Lehrmaterialien für erneuerbare Energien und Ressourcenmanagement vorliegen. Die Lehrmaterialien sollen Hochschulen weltweit zur Verfügung stehen. Die Projektpartner entwickeln außerdem ein Curriculum für einen Masterstudiengang „Energy and Climate Change“, der an der Abdou Moumouni University in Niamey (Niger) angeboten werden soll.

Im April sind zwei Studierende des Instituts für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen (ITT) der TH Köln nach Niger zu Feldforschungen für ihre Masterarbeiten gereist. Ein  Masterstudent des ITT wird in der Nähe der Hauptstadt Niamey drei Monate zum Thema „Dezentrales Energieversorgungssystem in einem kleinen Dorf“ forschen. Ein aus Bangladesch stammender ITT-Student forscht in Niamey für seine Masterarbeit zu „Energieplanentwicklung – Modellierung für die Energieversorgung in Niger“.

Prjektbeteiligte sind:

  • Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn
  • Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS) der United Nations University
  • Abdou Moumouni University of Niamey in Niger
  • Institute of Water and Energy Sciences (PAUWES) der Pan African University in Tlemcen in Algerien (PAU)
  • Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt als Projektträger
  • DAAD (Programmbetreuung der postgradualen Aus- und Fortbildung)

Nexus-Konzept soll mehr Menschen erreichen

Wie der nachhaltige Umgang mit Umweltressourcen durch verknüpfte Ansätze besser gelingen kann, diskutierten 400 Teilnehmende aus über 50 Ländern diese Woche bei der Dresden Nexus Conference (DNC2017). 88 Vorträge  und Fallbeispiele aus China, Deutschland, Katar, Kenia, Tunesien und Vietnam lieferten Einblicke in die Wissenschaft und Praxis rund um den sogenannten Nexus-Ansatz.

Er will ereichen, dass Umweltressourcen wie Boden, Wasser und Abfall nachhaltig bewirtschaftet werden, indem wisssenchaftliche Fachrichtungen gemeinsam daran arbeiten. Denn auch die Ressourcen selbst sind vielfältig miteinander verknüpft und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden, teilt die TU Dresden mit.

Im Fokus der DNC2017 stand die Frage, wie der Nexus-Ansatz zur Umsetzung der Ziele Nachhaltiger Entwicklung (SDGs) und der Neuen Urbanen Agenda der Vereinten Nationen beitragen kann und welche Rolle dabei Monitoring-Maßnahmen spielen. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis bezogen sich dabei vor allem auf Beispiele multifunktionaler Landnutzung und die integrierte Ressourcen-Nutzung in Städten und stadtnahen Räumen.

Neben vielen positiven Impulsen, die die Teilnehmenden mit nach Hause nehmen, zeigten sich am Ende der Tagung auch die Herausforderungen, die mit dem Thema verbunden sind. So ist die integrierte Bewirtschaftung von Umweltressourcen noch immer vor allem ein in der Wissenschaft diskutiertes Thema.

Für die Umsetzung von verknüpften Strategien in der Praxis komme es aber vor allem auf die Menschen an, hieß es am Ende der Konferenz. Die Erkenntnisse aus der Wissenschaft, die guten Ansätze und Ideen müssten den richtigen Akteuren kommuniziert werden – den Politikern ebenso wie den Praktikern und den Vertretern der Wirtschaft. In der Wissenschaft selbst müssten auch die Sozialwissenschaften stärker einbezogen werden.

Die Organisatoren der Konferenz, UNU-FLORES, die Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden und das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung sind sich bewusst: Bis zur nächsten DNC im Jahr 2019 bleiben viele Herausforderungen, die die Wissenschaftler gemeinsam mit Akteuren aus der Praxis angehen können, heißt es im Rückblick auf die Konferenz.

Öko-Institut entwirft Fahrplan für die Rohstoffwende

In diesem Moment wird irgendwo in Lateinamerika mit Hilfe von Quecksilber Gold gewonnen – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt. Irgendwo in Afrika kämpfen Warlords mit Kindersoldaten um das Mineral Coltan, das in unseren Mobiltelefonen verbaut ist. In China werden Seltene Erden gefördert, bei deren Aufbereitung radioaktive Schlämme zurückbleiben – häufig ohne sicheres Abfallkonzept. Dies geschieht auch, um den Rohstoffhunger in Deutschland zu befriedigen.

Das Ziel: Folgen der Rohstoffnachfrage verringern

Wie der „Rohstoffabdruck“ Deutschlands verringert werden kann, zeigt das Öko-Institut in seinem Projekt „Rohstoffwende Deutschland 2049“. Zwar formuliert die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung die Verdopplung der Rohstoffproduktivität bis 2020, jedoch fehlen rohstoffspezifische Ziele und konkrete Maßnahmen dafür, teilt das Öko-Institut mit.

Jetzt liegt der Abschlussbericht vor, in dem das Expertenteam des Instituts eine Agenda für die Umsetzung der Rohstoffwende bis zum Jahr 2049 aufstellt. Das Ziel: negative ökologische und soziale Auswirkungen der primären Rohstoffnachfrage in Deutschland und weltweit verringern.

Schritte zur Rohstoffwende

Das Projekt „Rohstoffwende 2049“ hat bereits Ende 2016 in drei sogenannten Policy Papern und auf der Jahrestagung 2016 des Öko-Instituts gezeigt, dass dafür sehr spezifische Ziele und Maßnahmen ergriffen werden müssen. Diese unterscheiden sich nach den Rohstoffgruppen und ihren Einsatzfeldern. Für erste Rohstoffe wie Kies, Neodym oder Stahl hat das Forschungsteam ambitionierte Maßnahmen und Instrumente entwickelt, mit denen der Rohstoffbedarf in den kommenden Jahrzehnten signifikant sinken kann. Dazu gehören ein Gebäude-Check und eine Primärbaustoffsteuer, Recyclingfortschritte und Nachhaltigkeitszertifikate, die eine verantwortungsvolle Förderung von Metallen im Ausland nachweisen und sicherstellen.

Das Öko-Institut fordert nun, solche spezifischen Ziele, Maßnahmen und Instrumente für alle relevanten Rohstoffgruppen zu formulieren. Bis zum Jahr 2020 sollen konkrete und nachprüfbare Meilensteine für die Rohstoffwende entstehen. Diese sollen alle vier Jahre kontrolliert und wenn nötig nachgeschärft werden. Ein regelmäßiges Monitoring legt dafür die Basis: Es überprüft die Entwicklung des Rohstoffbedarfs und weitere Indikatoren wie das Bevölkerungswachstum, Fortschritte bei der Energie- und Verkehrswende, Entwicklung des Recyclings und Technologieschritte. Zwei „große Inventuren“ in den Jahren 2025 und 2037 prüfen umfassend, wie sich die rohstoffspezifischen HotSpots sowie die Wirkung der definierten Ziele und ergriffenen Maßnahmen entwickeln.

Akteure der Agenda für die „Rohstoffwende 2049“

Gefragt für die Umsetzung dieser Agenda sind vor allem Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. Dabei sind verschiedene politische Ebenen verantwortlich für den Erfolg der Rohstoffwende: Kommunen und Bundesländer müssen eine rohstoffsparende Infrastruktur schaffen und erhalten; der Bund sollte übergreifende Impulse für mehr Rohstoffeffizienz setzen. Dabei können verschiedene politische Instrumente zum Einsatz kommen: eine Veränderung der Grunderwerbssteuer hin zu einer Flächenverbrauchssteuer für das kompakteres Bauen oder Vorgaben für den Einsatz von Recyclingbaustoffen.

Aber auch die Europäische Union ist gefragt: Sie kann mit internationalen Abkommen dafür sorgen, dass die negativen sozialen Auswirkungen der primären Rohstoffgewinnung sinken. Zudem kann sie mit europaweiten Maßnahmen dazu beitragen, Kreislaufwirtschaft und Recycling zu verbessern und Ressourcenaspekte im Produktdesign in der Ökodesign-Richtlinie zu stärken.

Nicht zuletzt sieht das Öko-Institut Unternehmen in der Pflicht, das Recycling von Baurohstoffen wie Beton, Gips und auch von Metallen weiter zu verbessern. Sie sind Motor für Innovationen bei Technologien und Prozessen, die künftig Rohstoffe effizienter einsetzen.

Weitere Informationen zu Rohstoff- und Ressourcenprojekten des Öko-Instituts gibt es auf der Website www.ressourcenfieber.de.