„Rohstoffe müssen gerechter gewonnen werden“

Die deutsche Rohstoffpolitik muss grundsätzlich reformiert werden, wenn sie global gerecht und ökologisch tragbar werden soll. Das fordert ein Bündnis von Menschenrechts-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, die sich im Arbeitskreis Rohstoffe zusammengeschlossen haben. Anlässlich der dritten Alternativen Rohstoffwoche vom 16. bis 22. Oktober mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland formulieren die Organisationen Eckpunkte, die ihrer Ansicht nach in den neuen Koalitionsvertrag gehören.

„Als größter Importeur von Rohstoffen in der EU trägt Deutschland eine große Verantwortung für die sozialen und ökologischen Folgen des weltweiten Rohstoffabbaus“, sagt Michael Reckordt, Koordinator des Arbeitskreises (AK) Rohstoffe. „Beim Abbau von Rohstoffen kommt es häufig zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen, auf die wir mit der Alternativen Rohstoffwoche hinweisen.“

„Menschenrechte müssen einen höheren Stellenwert als Profite haben“, sagt Anna Backmann von der Christlichen Initiative Romero. „Daher müssen im künftigen Koalitionsvertrag das Ja zu verbindlichen Regeln für Unternehmen stehen, die Rohstoffe abbauen oder entlang der Lieferkette weiterverarbeiten“, so Backmann weiter.

„Die Senkung des Rohstoffverbrauchs muss für die neue Bundesregierung ein zentrales Ziel sein. Deshalb muss sie die Kreislaufwirtschaft zum Beispiel durch die längere Nutzung und Reparaturfähigkeit von Geräten stärken“, ergänzt Antonia Reichwein von Germanwatch.

„Außerdem muss der Tiefseebergbau grundsätzlich ausgeschlossen werden“, fordert Francisco Marí von Brot für die Welt. „Die Auswirkungen auf Umwelt und Menschen sind absolut unvorhersehbar und laufen dem Vorsorgeprinzip elementar zuwider. Die Bundesregierung muss sich hier den Forderungen der Zivilgesellschaft aus dem Pazifik anschließen und jegliche Förderung des Tiefseebergbaus einstellen.“

Der AK Rohstoffe ist ein Netzwerk deutscher Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte, soziale Standards und Umweltschutz einsetzen. Hierzu gehören Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen, wie Brot für die Welt, die Christliche Initiative Romero, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile / Lateinamerika, Forum Umwelt und Entwicklung, Germanwatch, das Ökumenische Netz Zentralafrika, PowerShift und Stiftung Asienhaus.

Seit 2008 tauscht sich der AK Rohstoffe regelmäßig aus und diskutiert angesichts der negativen Auswirkungen des Rohstoffabbaus über Ansätze einer zukunftsfähigen Rohstoffpolitik. Seit Mai 2013 gibt es ein Koordinationsbüro in Berlin.

Ziel der Alternativen Rohstoffwoche ist es, auf die Auswirkungen des Rohstoffabbaus hinzuweisen. Deutschland ist abhängig vom Import von metallischen, mineralischen und fossilen Rohstoffen. Abgebaut werden diese Rohstoffe vor allem in Schwellenländern und Ländern des Globalen Südens, häufig unter Verletzung von Menschenrechten und auf Kosten der Umwelt, teilt das Bündnis mit.

Die Bundesregierung berücksichtige diese Auswirkungen nicht ausreichend und richtet ihre Politik einseitig an den Interessen der Industrie für eine erhöhte Versorgungssicherheit aus. Aufgrund der globalen Herausforderungen brauche es eine andere, demokratische und global gerechte Rohstoffpolitik. Diese müsse folgende Ziele haben: Menschenrechte effektiv schützen, Rohstoffverbrauch senken, Zivilgesellschaft schützen und stärken.

CO2 binden wie die Algen und das Klima retten

Viele Algen binden Kohlendioxid effizienter als Landpflanzen, indem sie das klimaschädliche Gas in einem sogenannten Mikrokompartiment, einer Struktur aus Proteinen, konzentrieren. Das wichtigste Protein in diesem Prozess ist Rubisco, das Kohlendioxid bindet. Bis vor kurzem war aber nicht bekannt, wie das Mikrokompartiment aufgebaut ist.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat nun herausgefunden, wie die als Pyrenoid bezeichnete Struktur beschaffen ist. Ein erster Durchbruch gelang dem Team von Martin Jonikas, Leiter der Arbeitsgruppen in Carnegie/Stanford und Princeton. Sie identifizierten ein Linkerprotein in der Grünalge Chlamydomonas, das Rubisco-Enzyme innerhalb des Pyrenoids aneinanderbindet. Ohne diesen molekularen Klebstoff kommt es nicht zur Entstehung des Pyrenoids.

Bisher war jedoch nicht bekannt, wie die Rubisco-Proteine in dem Pyrenoid organisiert sind. Lange dachten die Forscher, dass es sich dabei um einen Festkörperkristall handeln könnte. Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten Wissenschaftler um Benjamin Engel am Max-Planck-Institut für Biochemie in Planegg bei München die molekulare Organisation des Pyrenoids in Chlamydomonas-Zellen mittels Kryoelektronentomographie.

Mit Hilfe dieses hochauflösenden Bildgebungsverfahrens konnten Engel und seine Kollegen genau messen, an welchen Positionen in dem Pyrenoid sich die vielen Tausenden von Rubisco-Enzymen befinden. Sie stellten fest, dass das Pyrenoid keine kristalline Struktur hat: „Vergleicht man unsere Messungen mit der Organisation von Molekülen in Flüssigkeiten finden sich deutliche Ähnlichkeiten. Das deutet darauf hin, dass Pyrenoide in Wirklichkeit flüssigkeitsartige Strukturen sind“, erklärt Engel das Ergebnis.

Sie verhalten sich ähnlich wie Tropfen Essig in Öl, sind also von der Zellumgebung umspült, vermischen sich aber nicht. In Zukunft könnte man mit diesem Wissen Pflanzen so verändern, dass sie der Atmosphäre mehr Kohlendioxid entziehen und schneller wachsen.

In einem sehenswerten Musikvideo klären die Forscher über das große Potential der Pyrenoide auf.

Besser mit weniger Wachstum rechnen

Wachstum ist das große Ziel – auf internationalen Gipfeln, in den Wirtschaftswissenschaften, im Grundgesetz oder in den Wahlprogrammen nahezu aller Parteien. „Doch ein Wachstum, das den Menschen dient, lässt sich zunehmend schwieriger erreichen“, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Wie Industrienationen darauf reagieren sollten, hat das Institut in der Studie „Was tun, wenn das Wachstum schwindet“ beschrieben.

In allen Industrienationen habe sich das Wachstum in der Vergangenheit bereits erheblich reduzier, teilt das Institut mit. Zum Beispiel in Deutschland: Hier lag das jährliche Wachstum im Mittel der 1950er Jahre noch bei rund acht Prozent; es halbierte sich in den 1960ern und erreichte im Mittel der Jahre 2011 bis 2016 nur noch rund eineinhalb Prozent. Auch die ersten Schwellenländer folgen längst diesem Abwärtstrend.

Wachstumstreiber verlieren an Dynamik

Der amerikanische Harvard-Professor Lawrence Summers, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, spricht vor diesem Hintergrund von einer „säkularen Stagnation“ – von einer Wirtschaftsschwäche, die über einen sehr langen Zeitraum anhält. Denn die wichtigsten Wachstumstreiber der Vergangenheit verlieren an Dynamik: Das Bevölkerungswachstum klingt aus, die Gesellschaften altern und die Produktivität erhöht sich trotz digitaler Revolution immer langsamer.

Konjunkturpolitik kann nicht wirken

Außerdem nehmen die Konsummöglichkeiten der unteren Einkommensschichten wegen steigender sozialer Ungleichheit ab und ökologische Schäden wirken zunehmend bremsend auf die wirtschaftliche Entwicklung. „Politiker und Zentralbanken versuchen diese strukturell bedingte Wachstumsverlangsamung mit den klassischen Instrumenten der Konjunkturpolitik zu bekämpfen – mit staatlich geförderten Investitionsprogrammen oder niedrigen Zinsen“, erklärt Klingholz. „Konjunkturpolitik kann aber strukturelle Probleme gar nicht bekämpfen. In der Folge steigen lediglich die weltweiten Schulden.“

Das Problem dabei ist, dass sich Staat, Wirtschaft und Gesellschaft lange Zeit auf ein beständiges Wachstum eingerichtet haben. Klingholz: „In unserer heutigen Organisationsform ist der Staat auf Wirtschaftswachstum angewiesen, um seine Schulden bedienen zu können oder um leistungsfähige Sozialsysteme für eine alternde Gesellschaft zu erhalten.“

Demokratien vor einer Bewährungsprobe

Auch die Wirtschaft ist abhängig von Wachstum. Ohne Wachstum sinken die Gewinnaussichten, der Investitionsbedarf geht zurück und der technische Fortschritt verlangsamt sich. Dann drohen massive Jobverluste. Wachsende Arbeitslosigkeit und eine erlahmende Wirtschaft schließlich könnten das tiefe Vertrauen der Menschen untergraben, dass es ihnen von Generation zu Generation immer besser geht. Demokratien konnten sich einst unter Wachstumsbedingungen stabilisieren, weil es mehr an breite Bevölkerungskreise zu verteilen gab. Bei einer anhaltenden Stagnation stehen sie vor einer ungewohnten Bewährungsprobe.

Dass sich aus der Wachstumsschwäche zumindest eine „ökologische Dividende“ ergibt, weil weniger Güter auf den ersten Blick auch weniger Energie- und Rohstoffverbrauch bedeuten, sei laut Klingholz nicht sicher. Nur wenn Politik und Wirtschaft künftig das Wachstum auf jene Bereiche konzentrierten, die nachweislich zu einer Verbesserung der Umweltsituation beitragen, und gleichzeitig jene Unternehmen vom Markt verschwänden, die für große Umweltschäden verantwortlich sind, hätte die säkulare Stagnation unterm Strich einen ökologischen Nutzen.

Nationen brauchen einen Plan B

Bisher ist unklar, ob es sich bei dem erkennbaren Wachstumsrückgang tatsächlich um eine säkulare Stagnation handelt. Die betroffenen Länder sollten sich aber auf jeden Fall mit einem Plan B auf eine längerfristige Schwäche vorbereiten und ihre Systeme rechtzeitig von den heutigen Wachstumszwängen befreien, fordert das Berlin-Institut. Sie müssten Mittel und Wege für ein Wohlergehen ihrer Bevölkerung bei weniger oder in Abwesenheit von Wachstum finden.

Alle Stadtbusse in Augsburg fahren mit Biomethan aus Reststoffen

Verglichen mit dem Strom- und dem Wärmesektor besteht im Bereich Mobilität noch der größte Anteil fossiler Energie. Die Stadt Augsburg will daran etwas ändern und hat ihre gesamte Busflotte auf Biomethan umgestellt. Dafür hat die Agentur für Erneuerbare Energien die Stadt als herausragendes Leuchtturmprojekt und Energie-Kommune ausgezeichnet.

Bereits seit 1995 haben die Stadtwerke Augsburg ihre Busflotte auf Erdgas umgerüstet. Dieser Prozess war 2010 abgeschlossen. Seit 2011 betreibt die drittgrößte Stadt Bayerns ihre Busse mit Biomethan aus agrarischen Abfällen statt mit konventionellem Erdgas.

2016 wurden dann noch einmal 23 Busse beschafft, die dank eines neu entwickelten Motors im Vergleich zu den anderen Motortypen deutlich bessere Abgaswerte aufweisen. Damit auch die privaten Autos von den Erfahrungen und der Technik im Bereich Biomethan profitieren können, bieten die Stadtwerke diesen Energieträger an vier eigenen Erdgas-Tankstellen an.

„Die Biomethan-Busse unserer Stadtwerke helfen uns dabei, unsere lokalen Klimaschutzziele zu erreichen und leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung“, sagt Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl. „Der Ausstoß von CO2 und Stickoxiden ist deutlich geringer als bei herkömmlichen Antrieben und Feinstaub spielt fast gar keine Rolle“, so Gribl. „Und für das von uns verwendete Biomethan entfällt auch das Thema Flächenkonkurrenz, da es ausschließlich aus agrarischen Reststoffen hergestellt wird“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza.

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Klima-Bündnis bewertet Charta für Holz 2.0 kritisch

Die Charta für Holz 2.0 propagiert Klimaschutz durch mehr Nutzung von Holz – beispielsweise auch beim Bau von Häusern. Das Klima-Bündnis, ein europäisches Städtenetzwerk für den Klimaschutz, beurteilt die Charta allerdings kritisch: „Wälder dienen der Biodiversität.Wenn sie forstlich nicht genutzt werden, können aus ihnen die Urwälder von morgen entstehen“, heißt es in einem Kommentar zur Charta. Daher fordert das Klima-Bündnis, dass ein Teil der Wälder dauerhaft geschützt wird.

Besonders diejenigen Wälder, die ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden, seien bedeutende Kohlenstoffsenken. Sie dürften aber nicht auf diese Klimaschutzwirkung reduziert werden. „Ziel der Forstwirtschaft muss es sein, einen Teil dieser Wälder dauerhaft zu schützen – als Speicher und für die Artenvielfalt“, sagt Katrin Jurisch, Leiterin des SpeicherWald-Projekts vom Klima-Bündnis.

Kaskadennutzung ist das Beste

Die oft zitierte Formel „Holzverwendung ist Klimaschutz“ verkürze die Debatte um die Klimaschutzleistung von Wäldern. Denn die Nutzungsart und die Lebensdauer des Produktes seien entscheidende Kriterien. „Wenn Holz verwendet wird, so ist die beste Strategie für Klimaschutz und Biodiversität, das Holz möglichst lange im Verwendungskreislauf zu halten und es mehrfach im Sinne einer Kaskadennutzung zu verwenden. Aktuell wird aber die Steigerung des Holzverbrauchs für die Energiegewinnung, vor allem für die Pelletherstellung, propagiert. Anstatt Langlebigkeit, Effizienz und den sparsamen Umgang mit Materialien anzustreben, wird der hochwertige Grundstoff Holz einfach verbrannt“, sagt Jurisch.

Nur 1,9 Prozent Urwald

Bisher habe die Bundesregierung 21 Strategiepapiere zum Wald und seinen unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüchen veröffentlicht. „Was diesen Papieren und schließlich der Regierung selbst fehlt, ist Kohärenz. Die Nationale Biodiversitätsstrategie formuliert das Ziel, fünf Prozent der Waldfläche Deutschlands einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Weder in der Charta für Holz noch im Klimaschutzplan 2050 weist die Deutsche Bundesregierung darauf hin, wie dieses umgesetzt werden soll. Bis zu um Stichjahr 2013 wiesen lediglich 1,9 Prozent des Waldes in Deutschland eine natürliche Waldentwicklung im Sinne der Biodiversitätsstrategie auf“, teilt das Klima-Bündnis mit.

Douglasie und Tanne statt Fichte

Derweil erforscht die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, wie der deutsche Wald klimagerecht umgebaut werden könnte. Dem Klimawandel ist die Fichte, Deutschlands wichtigste Wirtschaftsbaumart, nämlich nicht gut gewachsen. Sowohl die einheimische Weißtanne als auch die aus Nordamerika eingeführte Douglasie könnten die Fichte auf lange Sicht ersetzen, haben Valentia Vitali und Jürgen Bauhus von der Uni Freiburg festgestellt.

Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohle bis 2030

Deutschland kann seine Klimaziele erreichen, wenn die Bundesregierung schnell den schrittweisen Ausstieg aus der Kohle einleitet. Dies zeigt eine neue Studie der Berliner Instituts Energy Brainpool im Auftrag von Greenpeace.

Kernbestandteil ist ein Fahrplan, der zeigt, welcher Kraftwerksblock in welchem Jahr abgeschaltet werden muss, um den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken, wie es die Bundesregierung zugesagt hat.

„Mit dem 40-Prozent-Ziel steht und fällt die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin im internationalen Klimaschutz“, sagt Greenpeace Klimaexperte Karsten Smid. „Nur wenn klimaschädliche Kohlemeiler gut geplant vom Netz gehen, wird das Klimaziel erreicht.“

Das 40-Prozent-Ziel der Bundesregierung gilt schon seit mehreren Jahren als unerreichbar. „Natürlich kann man immer ein Kohlekraftwerk abschalten“ , sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kürzlich dazu. Der Energiesektor und der Gebäudesektor hätten in  den vergangenen Jahren aber bereits beachtliche Leistungen erbracht. „Es wird Zeit, dass der Verkehrssektor und die Landwirtschaft folgen“ , sagte sie.

Inzwischen herrscht Konsens darüber, dass es nach der Bundestagswahl einen Prozess für einen Kohleausstieg in Deutschland geben wird. Die im Klimaschutzplan 2050 beschlossene Strukturwandelkommission soll sich damit beschäftigen.

Der Ausstieg aus der Kohle ist trotzdem keine abgemachte Sache – jedenfalls nicht international. Die Menschenrechts- und Umweltorganisation Urgewald hat in einer Studie zusammengestellt, wo überall in neue Kohlekraftwerke investiert wird. Pakistans Kohlekapazität etwa soll von 190 Megawatt auf 15.300 Megawatt ansteigen.

Produkte aus CO2: Rohstoffgipfel in der TU Berlin

Medikamente, Farben, Kunststoffe: unzählige chemische Produkte, die das moderne Leben prägen, basieren auf Kohlenstoff. Dieser stammt noch überwiegend aus fossilen Quellen wie Erdöl. Doch die Vorräte sind begrenzt, der Einsatz schadet dem Klima – eine Sackgasse.

Als nachhaltige Kohlenstoff-Quellen stehen Pflanzen und Kohlendioxid reichlich zur Verfügung. Wie werden daraus Innovationen? Welche Chancen liegen hier für den Standort Deutschland?

Auf dem Berliner Rohstoffgipfel am Dienstag, 20. Juni, von 10 – 13 Uhr im Lichthof der TU Berlin diskutieren Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Gründerszene über Alternativen zum Erdöl. Impulse dazu werden außerdem von einem Ideenwettbewerb mit Vertretern von Start-Ups erwartet.

Der Organisator Arno Zimmermann ist zusammen mit Marvin Kant auch Herausgeber eines Reports zum Forschungsstand der CO2-Nutzung als Rohstoff, die Akzeptanz der Öffentlichkeit sowie die wirtschaftliche Situation von Industrie und Start-ups.

Programm

10.15 Begrüßung

Prof. Dr. Christian Thomsen (Präsident, TU Berlin)

10.20 Impulsvortrag: „Die Chemie muss nachhaltiger werden“

Prof. Dr. Kurt Wagemann (Geschäftsführer, DECHEMA)

10.35 Wissenschaftsshow: „Die vielen Seiten des CO2“

10.45 Ideenwettbewerb: „Mehr Gründerspirit muss her“

Moderation: Arno Zimmermann. Mit Opus 12 Inc., Skytree, Carbon8 Systems, LXP Group, Fairwindel

11.35 Wissenschaftsshow: „Die Verwandlung der Pflanzen“

11.45 Podiumsdiskussion: „Alle müssen an einem Strang ziehen“

Moderation: Prof. Dr. Kurt Wagemann

Steffen Krach (Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters von Berlin)

Prof. Dr. Robert Schlögl (Direktor, Fritz-Haber-Institut)

Dr. Markus Steilemann (Vorstand Innovation, Covestro AG)

Sonja Jost (Geschäftsführerin, DexLeChem GmbH)

12.30 Zusammenfassung und Ausblick

Anschließend Get Together & Buffet

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

Prof. Dr. Christian Thomsen

ist Präsident der Technischen Universität Berlin. Er ist seit 1994 Hochschullehrer für experimentelle Festkörperphysik an der TU Berlin und Autor von über 500 Publikationen. Seit 2016 ist er zudem Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech).

Steffen Krach

ist seit 2014 Staatssekretär in Berlin. Bis 2016 war er Staatssekretär für Wissenschaft in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Seit dem 8. Dezember 2016 ist Krach Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Er leitete zuletzt die Bund-Länder-Koordination der SPD-Bundestagsfraktion. Von 2007 bis 2012 war er bereits in der Wissenschaftsverwaltung für die Verhandlung des Hochschulpakts und der Exzellenzinitiative zuständig.

Prof. Dr. Kurt Wagemann

ist Geschäftsführer der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. Die DECHEMA vertritt als gemeinnützige Fachgesellschaft mehr als 5.800 Mitglieder aus Industrie, Hochschulen und Forschungseinrichtungen und bündelt deren Expertise in einem interdisziplinären Netzwerk.

Prof. Dr. Robert Schlögl

ist Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und Honorarprofessor an der Humboldt Universität sowie der Technischen Universität in Berlin. Seit 2011 ist er zudem Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion.

Dr. Markus Steilemann

ist Vorstandsmitglied der Covestro AG und verantwortet als Chief Commercial Officer die Bereiche Innovation, Marketing und Vertrieb. Das Unternehmen entwickelt und produziert rund um den Globus chemiebasierte Werkstoffe für viele Schlüsselindustrien und Bereiche des täglichen Lebens.

Sonja Jost

ist Alumna der TU Berlin sowie Gründerin und Geschäftsführerin des Chemieunternehmens DexLeChem GmbH. Das Hightech-Unternehmen bietet der Pharma- und Duftstoffindustrie innovative Produktionsverbesserungen an, bei denen unverzichtbare teure Ressourcen reduziert und wiederverwertet werden.

Doppelter Vorteil durch dezentrale Energieerzeugung

Die Energiewende bekommen wir nicht geschenkt. Sie ist eine große Herausforderung und eine große Chance. Gerade die dezentrale Energieversorgung zeigt, wie sich der Ausbau erneuerbarer Energien fördern lässt und gleichzeitig Haushalte finanziell davon profitieren.

Attraktivität lokal erzeugten Stroms

Wird mittels einer Solaranlage im Gebäude Strom erzeugt, ist es angesichts der seit einigen Jahren sinkenden EEG-Vergütung heute attraktiver, den Strom vor Ort zu verbrauchen, anstatt ihn ins Netz einzuspeisen. Einfamilienhaushalte zahlen auf den vor Ort erzeugten und verbrauchten Strom eine reduzierte EEG-Umlage und auch die Netzentgelte entfallen. Damit kostet Eigenstrom rund die Hälfte des Strom aus dem öffentlichen Netz. Auch Mieter in Gebäuden mit Mieterstromangebot müssen auf lokal erzeugten Strom keine Netzentgelte zahlen. Geplant ist außerdem eine Direktförderung, um Mieter und Eigenheimbesitzer bei ihrer lokalen Stromversorgung gleichzustellen. Denn bislang entfällt auf Mieterstrom die volle EEG-Umlage.

Eine perfekte Kombination für die Energiewende

Die Kombination aus lokaler, günstiger und erneuerbarer Stromversorgung und dem Strombezug aus dem öffentlichen Netz ist in zweierlei Sicht ein Treiber der Energiewende. Zum einen werden mehr erneuerbare Energien erzeugt und verbraucht und zum anderen wird gleichzeitig über den Reststrombezug aus dem öffentlichen Netz der allgemeine Ausbau der Netz-Infrastruktur unterstützt. Denn die Haushalte, die selbst Strom erzeugen, verzichten nicht gänzlich auf das öffentliche Netz. Und angesichts von strombasierten Heiztechniken wie Wärmepumpen und der aufkeimenden Elektromobilität tun sie es künftig sogar immer weniger. Meist werden mit dem vor Ort erzeugten Strom zwischen 20 und 60 Prozent des Strombedarfs gedeckt. Wird ein Speicher installiert, dann kann der sogenannte Autarkiegrad bei Einfamilienhäusern bis zu 80 Prozent betragen. Aktuell haben allerdings erst rund 60.000 Haushalte einen Speicher installiert – das ist weniger als ein Prozent aller deutschen Haushalte.

Die große Mehrheit der Haushalte, die Eigenstrom oder Mieterstrom bezieht, treibt vielmehr mit ihrer kombinierten Energieversorgung aus Lokal- und Netzstrom die Energiewende zum Erfolg. Denn nur, wenn sich die Energiewende für die Haushalte wirtschaftlich rechnet, wird es funktionieren. Das hat bereits der Ökostrommarkt bewiesen. Erst seitdem die Ökostromtarife vielerorts günstiger sind als die fossilen Grundversorgertarife, sind sie zu einer echten Alternative auch für die breite Masse der Haushalte geworden.

Mieterstrom im sozialen Wohnungsbau

Die Vorteile von Mieterstromprojekten im sozialen bzw. im geförderten Wohnungsbau unterstreichen den sozialen Aspekt von Mieterstrom. Haushalte mit niedrigem Einkommen kämpfen besonders mit den seit Jahren steigenden Strompreisen. Der Anteil der Stromkosten an den Wohnkosten ist bei ihnen besonders hoch. Durch den Bezug von Mieterstrom können sie ihre Stromkosten im Zaum halten.

Das zeigt auch das Beispiel eines Mehrfamilienhauses mit 300 Mietern im Münchner Stadtteil Aubing. Es wurde nach dem „München Modell“ gefördert und hat das Ziel, Familien mit mittlerem Einkommen preisgünstiges Wohnen zu ermöglichen. Seit November 2015 beziehen die Mieter dort Mieterstrom von Polarstern. Sie decken 60 Prozent ihrer benötigten Energie mit einer Photovoltaikanlage und einem Blockheizkraftwerk. Die Photovoltaikanlage auf ihrem Dach hat eine Höchstleistung von 90 Kilowatt-Peak und das Blockheizkraftwerk im Keller hat 20 Kilowatt elektrische Leistung. Das bringt einem typischen Miethaushalt Stromkostenersparnisse von 20 Prozent verglichen zum Grundversorgertarif. Der Autarkiegrad liegt bei 60 Prozent. Das heißt, die Mieter decken 60 Prozent ihrer benötigten Energie direkt mit dem vor Ort erzeugten Strom. Um den darüber hinaus gehenden Strombedarf in Höhe von 40 Prozent zu decken, beziehen sie Strom aus dem öffentlichen Netz.

Besonders geeignet ist Mieterstrom auch in den östlichen Bundesländern. Hier hilft Mieterstrom, die steigende Belastung durch die Netzentgelte auszugleichen. Während das durchschnittliche Einkommen der Haushalte niedriger ist als in den westlichen Bundesländern, sind die Netzkosten deutlich höher. Die Stromkosten haben somit einen hohen Anteil an den Wohnausgaben.

Derzeit realisieren wir bei Polarstern mehrere Mieterstromprojekte in ostdeutschen Plattenbauten, vorrangig mit dem Ziel, die Stromkosten der Mieter größtmöglich zu senken. In einem Plattenbau mit 100 Wohnungen wird künftig 76 Prozent des benötigten Stroms mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) und einer PV-Anlage gedeckt. Das BHKW hat eine Leistung von 19,2 Kilowatt elektrischer Leistung und die PV-Anlage von 123,45 Kilowatt Peak. Am Ende sinken durch den lokalen Mieterstrombezug die Stromkosten der Mieter um 15 Prozent.

All das unterstreicht das breite Potenzial von Mieterstrom, die Energiewende in die Städte und zur Bevölkerung zu bringen. Zumal im Zuge der geplanten Direktförderung auch benachbarte Gebäude im Sinne eines Quartiers von der lokalen Stromerzeugung direkt profitieren sollen.

Florian Henle ist Geschäftsführer von Polarstern, einem Ökostrom- und Ökogaslieferanten mit Sitz in München.

Neue Werkzeuge für die Klimaarbeit von Climate Access

Mit seiner neu gestalteten Website will das Netzwerk Climate Access bessere Funktionen für die Klimakommunikation bieten. So gibt es jetzt eine neue Suchmöglichkeit nach Materialien zum Klimawandel. Sie lässt sich nach Typen wie Fallstudien, Tipps oder Sozialstudien oder strategisch nach  Nutzergruppen sortieren. Außerdem gibt es ein verbessertes Verzeichnis von Menschen aus dem Klimabereich.

„Ob Sie für eine bessere Klimapolitik arbeiten oder Programme für Dekarbonisierung entwickeln, wir haben die richtigen Werkzeuge für Sie“, wirbt Climate Access.

Klare Haltung im Umgang mit der Trump-Regierung

„Nach dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen muss die Diplomatie klug zwischen klaren Forderungen und weiterem Dialog mit den USA variieren, um den Klimaprozess voranzutreiben“, schreibt Susanne Dröge von der Stiftung Wissenschaft und Politik in einem jetzt veröffentlichten Aufsatz.

„Berlin und Peking hatten die USA beim Auftakt des Petersberger Klimadialogs aufgefordert, im Klimaschutzabkommen zu bleiben“, schreibt Dröge. Beim G7-Gipfel in Italien kurz darauf sei es dann zum offenen Konflikt gekommen: Die USA stimmten den klimapolitischen Zusagen in der Abschlusserklärung nicht zu. Schließlich hätten die EU und China nach Aufkündigung des Paris-Abkommen durch Trump deutlich gemacht, dass sie künftig in der Klima- und Energiepolitik noch enger kooperieren werden.

Allerdings verhinderten unterschiedliche Auffassungen über die Handelspolitik beim EU-China-Gipfel die Annahme einer Erklärung zum Klimaschutz. Ganz so einfach ist es also nicht auszuführen, was Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss in Erwartung des Gipfels formulierte: „Die EU und China müssen sich jetzt an die Spitze der Klimabewegung setzen und das Pariser Abkommen konsequent mit anderen fortschrittlichen Akteuren umsetzen. Dazu gehört der beschleunigte Ausbau Erneuerbarer Energien, wie er auch in US-Bundesstaaten wie Kalifornien oder Texas längst passiert, aber auch der mittelfristige Ausstieg aus der Kohle.“

Unabhängig von dem Weg, den die USA nun einschlagen, sollten die klimapolitischen Akteure aus aller Welt den Dialog mit dem Land weiterhin anstreben, meint Susanne Dröge: „Der Blick muss sich auf eine mögliche Neupositionierung der Vereinigten Staaten in vier Jahren richten.“ Der Ausstieg werde pünktlich zum Wahltag eines neuen US-Präsidenten 2020 rechtskräftig. „Angesichts der politischen Kosten, die die Obama-Regierung auf sich genommen hat ist es unwahrscheinlich, dass ein Nachfolger Trumps ohne weiteres wieder in das Abkommen eintreten kann“, warnt die Wissenschaftlerin.

Angesichts des bevorstehenden G20-Gipfels Anfang Juli empfiehlt sie, dass die Bundesregierung sich zügig um eine gemeinsame Linie mit wichtigen außenpolitischen Partnern wie Indien oder China im Umgang mit der jüngsten Isolierung der USA bemüht. Beim G20-Gipfel sollte es vermieden werden, die USA in die Enge zu treiben. Stattdessen sollte der Blick auf die längerfristige Zusammenarbeit mit den USA gerichtet sein. Auch für die wirtschaftlichen Vorteile des Klimaschutzes sollte weiterhin geworben werden, empfiehlt Dröge.