579 Kilometer mit nur einem Liter Benzin

Um den Anforderungen des Pariser Klimaschutzabkommens gerecht zu werden, muss der Verkehr in Deutschland seine Treibhausgasemissionen schnell und drastisch mindern. Das zeigt eine Analyse des Umweltbundesamtes. Eine der Forderungen: strenge rechtliche Vorgaben für mehr Effizienz bei Neufahrzeugen

Wie Effizienz geht, zeigt ein studentisches Team der Hochschule Karlsruhe. Es landete auf einem guten 19. Platz beim weltgrößten Energieeffizienzwettbewerb in London. Der Shell Eco-marathon wird jedes Jahr sowohl in Europa als auch in Singapur und Detroit ausgetragen. Wettbewerbsaufgabe ist die Entwicklung und Konstruktion eines Fahrzeugs, das mit einem Liter Kraftstoff die größtmögliche Entfernung zurücklegt.

Gestartet wird in zwei Kategorien, den „Prototypen“ mit nur wenigen konstruktiven Vorgaben und den „Urban-Concept“-Fahrzeugen, die für den öffentlichen Straßenverkehr geeignet sein müssen. Sowohl konventionelle Kraftstoffe als auch alternative Energiequellen sind für den Antrieb dieser Fahrzeuge zugelassen. Insgesamt waren 192 Teams aus 27 Ländern Europas und Afrikas am Start, darunter 15 aus Deutschland, vier aus Österreich und zwei aus der Schweiz.

Für die Hochschule Karlsruhe ging das Team „High Efficiency Karlsruhe“ mit 30 Studierenden aus den Studiengängen Maschinenbau und Effiziente Mobilität in der Fahrzeugtechnologie in der Kategorie „Prototypen“ mit Benzinantrieb an den Start. Am Ende der Rennwoche erreichten sie auf der anspruchsvollen Strecke den 19. Rang von 59 Teams, von denen es nur 37 überhaupt ins Ziel schafften. Mit nur einem Liter Benzin hatten die Karlsruher insgesamt 579,2 Kilometer zurückgelegt – das entspricht einem Verbrauch von 0,17 Litern auf 100 Kilometer.

Ob solche Ergebnisse helfen, den Verbrennungsmotor zu retten, sei dahingestellt. Die gesamten Kohlendioxid-Emissionen des Pkw-Verkehrs sind zwischen 1995 und 2014 nur um zwei Prozent gesunken, meldet das Umweltbundesamt. Laut Klimaschutzplan 2050 muss der Verkehrssektor bald mehr liefern: Bis 2030 soll er 40 bis 42 Prozent Emissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. Mit der stumpfen Forsetzung der individuellen Mobilität im Benzinauto wird das nicht zu machen sein.

Bildquelle: Dominik Störkle

Ressourcen der Städte in Afrika sichern

Strategien zur nachhaltigen Stadtentwicklung im Afrika südlich der Sahara will das Forschungsprojekt Risikoanalyse und Anpassungsstrategien für nachhaltige Ressourcenversorgung in Subsahara Städten (RARSUS) entwickeln. Es geht um die Versorgung der Städte mit Schlüsselressourcen wie Wasser, Energie und Lebensmitteln, die Anpassung an den Klimawandel und das rasante Bevölkerungswachstum.

„Um eine nachhaltige Stadtentwicklung in der Region zu gewährleisten, ist es wichtig zu verstehen, welche Elemente der städtischen Versorgungskette besonders gefährdet sind“, sagt RARSUS-Projektleiter und Verbundkoordinator Ramchandra Bhandari von der Technischen Hochschule Köln. „Dazu wird jetzt ein Pilotprojekt zur Erforschung bedeutender Versorgungssysteme in städtischen und halbstädtischen Gebieten Afrikas eingerichtet, in das alle relevanten Interessengruppen und Akteure aus Verwaltung, Industrie und Zivilgesellschaft einbezogen werden.“

Zum Projektende sollen Forschungsergebnisse zur effizienten Nutzung von Ressourcen in städtischen Gebieten und digitale Lehrmaterialien für erneuerbare Energien und Ressourcenmanagement vorliegen. Die Lehrmaterialien sollen Hochschulen weltweit zur Verfügung stehen. Die Projektpartner entwickeln außerdem ein Curriculum für einen Masterstudiengang „Energy and Climate Change“, der an der Abdou Moumouni University in Niamey (Niger) angeboten werden soll.

Im April sind zwei Studierende des Instituts für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen (ITT) der TH Köln nach Niger zu Feldforschungen für ihre Masterarbeiten gereist. Ein  Masterstudent des ITT wird in der Nähe der Hauptstadt Niamey drei Monate zum Thema „Dezentrales Energieversorgungssystem in einem kleinen Dorf“ forschen. Ein aus Bangladesch stammender ITT-Student forscht in Niamey für seine Masterarbeit zu „Energieplanentwicklung – Modellierung für die Energieversorgung in Niger“.

Prjektbeteiligte sind:

  • Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn
  • Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS) der United Nations University
  • Abdou Moumouni University of Niamey in Niger
  • Institute of Water and Energy Sciences (PAUWES) der Pan African University in Tlemcen in Algerien (PAU)
  • Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt als Projektträger
  • DAAD (Programmbetreuung der postgradualen Aus- und Fortbildung)

„Nachhaltigkeit suchen ist vornehme Aufgabe der Kirchen“

Mit dem Impulspapier Auf dem Weg zu einer Kultur der Nachhaltigkeit beteiligen sich die Kirchen in Deutschland an der Debatte um eine nachhaltige Verwandlung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Das Papier regt Such- und Konsultationsprozesse unter
dem Motto „Ökumenischer Aufbruch 2030. Für eine sozialökologische Trans-
formation“ an. Grund dafür sei, dass die Menschheit durch die Verletzung planetarischer Grenzen am Scheidewege stehe, heißt es im Vorwort. „Noch ist
offen, ob es gelingt, im Anthropozän Wege zur globalen Durchsetzung einer
Kultur der Nachhaltigkeit zu finden. Sie zu suchen, ist auch vornehme Auf-
gabe von Theologie und Kirche“, schreiben die Autoren.

Windstrom an Land kann noch billiger werden

An Land produzierter Windstrom wird in den nächsten Jahren voraussichtlich weiterhin günstiger werden. Eine Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende kommt zu dem Ergebnis, dass die Vollkosten an hervorragenden Standorten in Deutschland auf 3 bis 4,5 Cent pro Kilowattstunde sinken könnten – das wäre nochmals ein deutlicher Rückgang gegenüber den 5,25 bis 5,78 Cent pro Kilowattstunde, die heute bei der ersten deutschen Auktion für Windstrom an Land erreicht wurden.

An exzellenten Standorten weltweit werden bereits heute Stromgestehungskosten von 2,7 bis 3,4 Cent pro Kilowattstunde erreicht – so etwa in Marokko, Peru und Mexiko. Windstrom zählt damit zu den günstigsten Energieträgern überhaupt.

Möglich wird diese Entwicklung durch ein weiteres Wachstum der Leistung und Rotorblattflächen – die dadurch möglichen Mehrerträge übersteigen die Kosten dafür bei weitem, heißt es in der Analyse. Kostenreduktionen seien auch bei den Pachtpreisen und den Wartungskosten möglich, die in Deutschland deutlich höher als im internationalen Durchschnitt liegen.

„Technologisch ist die Entwicklung bei den Windkraftanlagen noch längst nicht ausgereizt“, sagt Matthias Deutsch, Co-Autor der Analyse „Future Cost of Onshore Wind“.  „So, wie wir bei Solarenergie und Wind Offshore deutliche Kostenreduktionen durch den Wettbewerb bei den Ausschreibungen gesehen haben, sind diese auch im Bereich Wind Onshore möglich.“

Nexus-Konzept soll mehr Menschen erreichen

Wie der nachhaltige Umgang mit Umweltressourcen durch verknüpfte Ansätze besser gelingen kann, diskutierten 400 Teilnehmende aus über 50 Ländern diese Woche bei der Dresden Nexus Conference (DNC2017). 88 Vorträge  und Fallbeispiele aus China, Deutschland, Katar, Kenia, Tunesien und Vietnam lieferten Einblicke in die Wissenschaft und Praxis rund um den sogenannten Nexus-Ansatz.

Er will ereichen, dass Umweltressourcen wie Boden, Wasser und Abfall nachhaltig bewirtschaftet werden, indem wisssenchaftliche Fachrichtungen gemeinsam daran arbeiten. Denn auch die Ressourcen selbst sind vielfältig miteinander verknüpft und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden, teilt die TU Dresden mit.

Im Fokus der DNC2017 stand die Frage, wie der Nexus-Ansatz zur Umsetzung der Ziele Nachhaltiger Entwicklung (SDGs) und der Neuen Urbanen Agenda der Vereinten Nationen beitragen kann und welche Rolle dabei Monitoring-Maßnahmen spielen. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis bezogen sich dabei vor allem auf Beispiele multifunktionaler Landnutzung und die integrierte Ressourcen-Nutzung in Städten und stadtnahen Räumen.

Neben vielen positiven Impulsen, die die Teilnehmenden mit nach Hause nehmen, zeigten sich am Ende der Tagung auch die Herausforderungen, die mit dem Thema verbunden sind. So ist die integrierte Bewirtschaftung von Umweltressourcen noch immer vor allem ein in der Wissenschaft diskutiertes Thema.

Für die Umsetzung von verknüpften Strategien in der Praxis komme es aber vor allem auf die Menschen an, hieß es am Ende der Konferenz. Die Erkenntnisse aus der Wissenschaft, die guten Ansätze und Ideen müssten den richtigen Akteuren kommuniziert werden – den Politikern ebenso wie den Praktikern und den Vertretern der Wirtschaft. In der Wissenschaft selbst müssten auch die Sozialwissenschaften stärker einbezogen werden.

Die Organisatoren der Konferenz, UNU-FLORES, die Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden und das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung sind sich bewusst: Bis zur nächsten DNC im Jahr 2019 bleiben viele Herausforderungen, die die Wissenschaftler gemeinsam mit Akteuren aus der Praxis angehen können, heißt es im Rückblick auf die Konferenz.

Kompetenzzentrum für Nachhaltige Chemie eröffnet

Im Rahmen einer internationalen zweitägigen Konferenz in Berlin wird heute das Internationale Kompetenzzentrum für Nachhaltige Chemie (ISC3) eröffnet. Die Gründung des Kompetenzzentrums geht auf eine Initiative des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes (UBA) zurück. Was nachhaltige Chemie ist, beschreibt das UBA auf seiner Website.

Das Zentrum soll in der Chemie weltweit neues Denken, Innovationen, Kooperationen und Geschäftsmodelle anstoßen, um dem Konzept der nachhaltigen Chemie weltweit zum Durchbruch zu verhelfen, die Kreislaufwirtschaft voranzubringen und eine nachhaltige Ressourcennutzung zu bewirken.

„Die Chemie steht vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte: im Grunde genommen muss sie sich neu erfinden, um den Weg in die Kreislaufwirtschaft zu gehen. Dabei entstehen neue Geschäftschancen, neue Arbeitsplätze und die UN Nachhaltigkeitsziele können überall erreicht werden“, sagt Friedrich Barth, Managing Director des ISC3.

Das Zentrum betreibt eine Wissensplattform, ein Experten-Netzwerk, bietet vor allem für Entwicklungsländer Trainings und Unterstützung bei der Implementierung an, betreibt „Innovation-Scouting“ für neue Technologien, neue Verfahren und neue Geschäftsmodelle.

Träger wird die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH sein. Ferner ist beabsichtigt, ein wissenschaftliches Zentrum, den „ISC3 Research Hub“, bei der Leuphana Universität in Lüneburg einzurichten sowie ein Innovationszentrum, den „ISC3 Innovation Hub“, bei der Dechema in Frankfurt.

Klimaklage gegen RWE geht in die nächste Instanz

Den Termin für die Berufungsverhandlung des peruanischen Bergführers  Saúl Luciano Lliuya gegen RWE hat das Oberlandesgericht Hamm auf den 13. November und damit zeitgleich zur UN-Klimakonferenz in Bonn gelegt. Das teilt die Menschenrechts- und Umweltorganisation Germanwatch mit, die Saúl Luciano bei seiner Klage unterstützt.

Die Rechtsanwältin des Klägers, Roda Verheyen, zeigt sich erfreut über die Entscheidung des Obelad Hamm. „Ich bin zuversichtlich, dass der nun angesetzten ersten Verhandlung die Beweisaufnahme folgen wird – dann geht es endlich um die Beweiskette: Ist das Überflutungsrisiko eine Folge des globalen Klimawandels und damit auch eine Folge der Emissionen der Beklagten? Das werden wir belegen.“

Saúl Luciano Lliuya ergänzt: „Ich freue mich, dass wir damit eine zweite Chance erhalten, unser Anliegen vor Gericht darzulegen. Wir wollen zeigen, warum RWE mitverantwortlich ist für die Risiken, die uns hier in Huaraz bedrohen. Wissenschaftlichen Studien zufolge wächst der See oberhalb meiner Heimatstadt wegen der beschleunigten Gletscherschmelze immer weiter an – und diejenigen, die mit ihren Emissionen zum Problem beitragen, wollen nichts mit unserer Notlage zu tun haben? Man muss kein Jurist sein um zu erkennen, dass das Unrecht ist.“

„Das Verfahren ist ein Präzedenzfall. Saúl Luciano Lliuya möchte erreichen, dass RWE seinem Anteil an der Verursachung des Klimawandels entsprechend für Schutzmaßnahmen an einem Gletschersee oberhalb der Andenstadt Huaraz aufkommt. Dieses Verfahren hat große Bedeutung für viele weitere vom Klimawandel bedrohte Menschen weltweit“, sagt Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch.

Dem Teil der Stadt, in dem Luciano Lliuya und seine Familie wohnen, droht wegen der durch den Klimawandel beschleunigten Gletscherschmelze akute Flutgefahr. Ein Abbruch des schmelzenden Gletschers über dem vollen See könnte zu einer verheerenden Flutwelle führen, von der laut Studien bis zu 50.000 Menschen direkt betroffen wären. RWE lehnt die Forderung jedoch ab. Das Landesgericht Hamm hatte die Klage in erster Instanz abgelehnt.

Von der Energiewende zur Großen Transformation

Für eine kritische Beurteilung der Energiewende hat der Berliner Innovationskreis den Elektroingenieur und Soziologen Benjamin Jargstorf zu einer Veranstaltung am 9. Juni eingeladen. Für Jargstorf ist die Energiewende bisher allenfalls eine kleine Stromwende. In seinem Vortrag wird er darstellen, wie eine konsequent verfolgte Energiewende eine „Große Transformation“ (Karl Polanyi 1944) in Gesellschaft und Wirtschaft möglich macht.

Benjamin Jargstorf gehe es nur vordergründig um die technischen Errungenschaften der Energiewende, schreibt der Innovationskreis in seiner Einladung. Sie eröffne vielmehr die Möglichkeit zu einem Paradigmenwechsel, der alle Aspekte des menschlichen Lebens betrifft. Jargstorfs Hypothese ist, dass es nie mehr so wie früher werden wird, also im „goldenen Zeitalter“ des Kapitalismus nach 1950 bis zu den Ölpreis- und Finanzkrisen. Sondern es sei eine umfassende Transformation notwendig, damit der Klimawandel das Leben auf der Erde nicht zur Hölle macht.

Die Veranstaltung findet statt am Freitag, 9. Juni um 19 in der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, Wallstr. 32/Gebäude B (U-Bahn Märkisches Museum).

Öko-Institut entwirft Fahrplan für die Rohstoffwende

In diesem Moment wird irgendwo in Lateinamerika mit Hilfe von Quecksilber Gold gewonnen – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt. Irgendwo in Afrika kämpfen Warlords mit Kindersoldaten um das Mineral Coltan, das in unseren Mobiltelefonen verbaut ist. In China werden Seltene Erden gefördert, bei deren Aufbereitung radioaktive Schlämme zurückbleiben – häufig ohne sicheres Abfallkonzept. Dies geschieht auch, um den Rohstoffhunger in Deutschland zu befriedigen.

Das Ziel: Folgen der Rohstoffnachfrage verringern

Wie der „Rohstoffabdruck“ Deutschlands verringert werden kann, zeigt das Öko-Institut in seinem Projekt „Rohstoffwende Deutschland 2049“. Zwar formuliert die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung die Verdopplung der Rohstoffproduktivität bis 2020, jedoch fehlen rohstoffspezifische Ziele und konkrete Maßnahmen dafür, teilt das Öko-Institut mit.

Jetzt liegt der Abschlussbericht vor, in dem das Expertenteam des Instituts eine Agenda für die Umsetzung der Rohstoffwende bis zum Jahr 2049 aufstellt. Das Ziel: negative ökologische und soziale Auswirkungen der primären Rohstoffnachfrage in Deutschland und weltweit verringern.

Schritte zur Rohstoffwende

Das Projekt „Rohstoffwende 2049“ hat bereits Ende 2016 in drei sogenannten Policy Papern und auf der Jahrestagung 2016 des Öko-Instituts gezeigt, dass dafür sehr spezifische Ziele und Maßnahmen ergriffen werden müssen. Diese unterscheiden sich nach den Rohstoffgruppen und ihren Einsatzfeldern. Für erste Rohstoffe wie Kies, Neodym oder Stahl hat das Forschungsteam ambitionierte Maßnahmen und Instrumente entwickelt, mit denen der Rohstoffbedarf in den kommenden Jahrzehnten signifikant sinken kann. Dazu gehören ein Gebäude-Check und eine Primärbaustoffsteuer, Recyclingfortschritte und Nachhaltigkeitszertifikate, die eine verantwortungsvolle Förderung von Metallen im Ausland nachweisen und sicherstellen.

Das Öko-Institut fordert nun, solche spezifischen Ziele, Maßnahmen und Instrumente für alle relevanten Rohstoffgruppen zu formulieren. Bis zum Jahr 2020 sollen konkrete und nachprüfbare Meilensteine für die Rohstoffwende entstehen. Diese sollen alle vier Jahre kontrolliert und wenn nötig nachgeschärft werden. Ein regelmäßiges Monitoring legt dafür die Basis: Es überprüft die Entwicklung des Rohstoffbedarfs und weitere Indikatoren wie das Bevölkerungswachstum, Fortschritte bei der Energie- und Verkehrswende, Entwicklung des Recyclings und Technologieschritte. Zwei „große Inventuren“ in den Jahren 2025 und 2037 prüfen umfassend, wie sich die rohstoffspezifischen HotSpots sowie die Wirkung der definierten Ziele und ergriffenen Maßnahmen entwickeln.

Akteure der Agenda für die „Rohstoffwende 2049“

Gefragt für die Umsetzung dieser Agenda sind vor allem Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. Dabei sind verschiedene politische Ebenen verantwortlich für den Erfolg der Rohstoffwende: Kommunen und Bundesländer müssen eine rohstoffsparende Infrastruktur schaffen und erhalten; der Bund sollte übergreifende Impulse für mehr Rohstoffeffizienz setzen. Dabei können verschiedene politische Instrumente zum Einsatz kommen: eine Veränderung der Grunderwerbssteuer hin zu einer Flächenverbrauchssteuer für das kompakteres Bauen oder Vorgaben für den Einsatz von Recyclingbaustoffen.

Aber auch die Europäische Union ist gefragt: Sie kann mit internationalen Abkommen dafür sorgen, dass die negativen sozialen Auswirkungen der primären Rohstoffgewinnung sinken. Zudem kann sie mit europaweiten Maßnahmen dazu beitragen, Kreislaufwirtschaft und Recycling zu verbessern und Ressourcenaspekte im Produktdesign in der Ökodesign-Richtlinie zu stärken.

Nicht zuletzt sieht das Öko-Institut Unternehmen in der Pflicht, das Recycling von Baurohstoffen wie Beton, Gips und auch von Metallen weiter zu verbessern. Sie sind Motor für Innovationen bei Technologien und Prozessen, die künftig Rohstoffe effizienter einsetzen.

Weitere Informationen zu Rohstoff- und Ressourcenprojekten des Öko-Instituts gibt es auf der Website www.ressourcenfieber.de.